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Jeschurun · 1856-12-01 · Heft 3 (Dezember 1856) · p. 143

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 3 (Dezember 1856)
Article
Rundschreiben des Herrn Oberrabbiners und Präsidenten des Consistoriums zu Colmar
Date
1856-12-01
Page
143 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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n. Rundschreiben des Herrn Oberrabbiners re. zu Colmar. 143 ■=i I i •j D Die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit, eine häufigere und gründliche religiöse Belehrung zu verbreiten, hat auch in der Thal die Mitglieder der Conferenz sehr eingenommen, und gerade diese Rücksicht hat zum großen Theil auf die von der Majorität gefaßte Beschlußnähme eingewirkt, einen Theil der Piutim zu entfernen. Man hat geglaubt, die durch die Unterdrückung eines Theils dieser Gebete ersparte Zeit für die Predigt benutzen zu können; man hat geglaubt, je weniger lang der Gottesdienst wäre, je mehr würden die Gläu- Ligen gesammelt und geneigt sein, dem Prediger zuzuhören. Wenn dieses Motiv keinen Eindruck auf uns machte, so hat das darin seinen Grund, daß, ganz abgesehen von jeder theoretischen Betrachtung, wir es nicht als geeignet gefunden haben, das Opfer eines Theils des Rituals als nothwendig erscheinen zu lassen. Die gelegene Zeit zum Predigen fehlt uns wahrlich nicht. Es giebt viele Sabbathe, an welchen man keine Piutim betet; viele Sabbathe und Festtage, an welchen die Piutim nicht einmal eine halbe Stunde absorbiren. Diese Tage können sehr wohl für die Predigt benutzt werden, besonders wenn man die Melodien abkürzt, gegen deren Länge schon die Alten sich erhoben haben, und die gerade in unserer Zeit noch in solchem Maße verlängert worden sind, daß sie häufige Wiederholungen von Worten nothwendig machen, die eine wahre Profanation, eine unerlaubte Unterbrechung bewirken und die heiligsten unserer Gebete, selbst die קרושה, dem Joche der musikalischen Tonleiter unterwerfen. Die so kurzen, und doch so wenig besuchten מעריב - Gottesdienste an den Vorabenden der Sabbathe und Festtage, bieten diese uns nicht eine sehr passende Zeit zur Verbreitung des göttlichen Wortes? Wozu denn diesen Gebeten den Krieg erklären, die in eine so hohe Vorzeit hinaufreichen und deren Verfasser und Verbreiter Alles gewesen, was Israel während mehr als zehn Jahrhunderten Ausgezeichnetes an Frömmigkeit und Gelehrsamkeit gehabt? In der That man kann nicht, ohne von heiliger Scheu und von tiefer Bewunderung ergriffen zu werden, einen Blick auf die heilige Phalanx von Männern des Geistes, von Lehrern des Gesetzes werfen, die immer, und das mit Recht, als die Säulen des Glaubens und die Leuchten Israels betrachtet worden sind, und die die Verfasser und Verbreiter der Piutim genannten Gebete gewesen.

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