Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1856)
- Article
- Sendschreiben der "Commission des Conservateurs du Judaisme" in Paris an ihre Glaubensgenossen in Frankreich
- Date
- 1856-12-01
- Page
- 135 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932839-2940506--02152-2940560- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I. Sendschreiben der Commission des Conservatenrs re. 135 4 praktischen Judenthums sich verewigt hat." Wie wagt Ihr es denn j nun, durch die Unterdrückung ehrwürdig alter Gebete und Einfühj rung fremder Elemente in die Synagoge diese Form des Kultus | zu modificiren, die Tradition dieses praktischen Judenthums abzuschaffen, welche die religiöse Idee in Israel erhalten hat? Ihr f| gestehet, daß die Entscheidungen, Maßnahmen und Anordnungen, E welche die religiöse Autorität getroffen und die allgemeine Zustimmittig der Gläubigen sanktionirt hat, die Kraft des Gesetzes haben,;; und Ihr zerreißet doch die Anordnung, welche die Piutim mit Zu- ׳;: stimmung der Gläubigen sanktionirt hat Mit welchem Rechte wollet j Ihr einen neuen Ritus schaffen, einen neuen Kultus, den Niemand!!Z kennt, indem Ihr zugleich den aschkenasischen und sephardischen Ritus ׳ entstellt und die religiösen Gebräuche beider Synagogen unterdrückt! 4 Der Hirtenbrief sagt ferner: ״Wenn durch das Unglück der E Zeiten die Autorität mitunter in verbrecherische Hände gefallen ist, U welche, das jüdische Prinzip hintansetzend, das heilige Gebäude zu unter- 8 graben und zu erschüttern, die Lehre zu entstellen und zu fälschen, 4 die bestehende Praxis zu verändern versuchten, ä changer ,'1 les pratiques, so ist ein energischer Widerstand oder eine heilsame D Reaktion nie ausgeblteben und man hat immer damit geendet auf 4 den rechten traditionellen Weg wieder zurückzukommen." Nun, die Rabbiner-Conferenz vom Monat Mat, was hat sie anders gethan, I als die bestehende Praxis des Kultus zu vcrändern, und > eben dadurch das heilige Gebäude zu erschüttern, das seit :;§ Jahrhunderten bestehet? Denn Wer würde ferner noch an etwas Hei- J liges in der Synagoge glauben, wenn es nur der Zusammenkunft;i einiger Rabbtnen bedürfte um fromme Gebräuche zu modistciren, 4 abzuschaffen, umzustoßen, und äuf diese Weise dem Glauben des; gemeinen Volkes, ä la foi du vulgaire, wie der Hirtenbrief i die Gemeinde des Herrn nennt, einen tödtlichen Streich zu versetzen! ר Die von der Conferenz beschlossenen oder angerathenen Refor- 4 men waren von keiner Gemeinde Frankreichs nachgesticht worden. >4 Schon ihre bloße Veröffentlichung ist im Stande die religiösen! j Ueberzeugungen vieler unserer Brüder zu erschüttern, die die Religion : j nur in der alten, ehrwürdigen Form begreifen, unter welcher sie! ß ihnen seit ihrer Kindheit erschienen ist. Allein, sagt der Hirtenbrief, H es sind dies lediglich Wünsche, Erklärungen rc. Wäre dies der Fall,