Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1856)
- Article
- Sendschreiben der "Commission des Conservateurs du Judaisme" in Paris an ihre Glaubensgenossen in Frankreich
- Date
- 1856-12-01
- Page
- 136 (sequence 6)
- Language
- German
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136 Die durch die pariser Conferenzen angeregte Bewegung. wie konnten denn die Mitglieder der Conferenz die Verpflichtung übernehmen, ״sich danach in der Ausübung ihrer Funktionen zu richten," d. h. durch Ueberrcdung oder Gewalt den Gläubigen Reformen aufzucrlegen, die sie nicht gefordert haben und die ihre Gewissen verletzen? Wir wollen die löblichen Absichten der Mitglieder der Conferenz nicht in Zweifel ziehen. Sie haben die Gefahren gesehen, die die Zukunft unserer Religion bedrohen, die immer wachsende Unkenntniß der jüdischen Grundsätze, die öffentliche Verletzung aller unserer göttlichen Gebote. Sie suchten nach einem Heilmittel; und sie hofften es zu finden — sollen wir es sagen? — in der Auslassung einiger Gebete, in dem Spiel der Orgel und in der Einführung der Kinder-Einsegnung! ..... Als Moses die Tafeln des Gesetzes zerbrochen, weil sein Volk sich der Abgötterei ergeben hatte, gab Gott ihm in seiner unendlichen Barmherzigkeit andere Gesetzestafeln; aber enthielt dieser neue Dekalog Reformen zu Gunsten der Gottlosen und der Uebertreter des Gesetzes? Enthielt er Concessionen zu Gunsten Derer, die sich mit Bedauern der saftigen Fische Egyptens erinnerten, oder die das Sabbath-Gesetz zu strenge fanden, oder die heidnischen Frauen hätten heirathen oder sich vor dem Götzen des damaligen Zeitgeistes anbetend hätten niederwerfen wollen? Nein. Israel konnte Gott untreu werden, aber Gott blieb seiner Thora treu! Wie oft müßte man die Gesetzestafeln in Stücke brechen, heilige Bräuche unterdrücken, verändern und verstümmeln die Religion und ihre Uebungen, wenn man sich der Irreltgiosität jeder Zeit oder der Unwissenheit eines jeden Menschen zu bequemen hätte! — — — — Darum müssen wir mit allem Nachdruck gegen die Versuche protesttren, die man zur Verstümmlung unscrs Kultus und unserer religiösen Uebungen beabsichtigt. Wir werden alle unsere Anstrengungen aufbieten und alle nöthigen Schritte thun um zu verhindern, daß in die Synagoge keine unserer Religion verderblichen Neuerungen etngeführt werden. Möge man uns nicht fragen, wer wir sind, daß wir das Wort ergreifen und als Vertheidtger des Judenthums aufstehen. Wir sind einfache Juden, ohne Namen, ohne Ansprüche, ohne Autorität; aber wir sprechen im Namen der Majorität der französischen Rabbinen, im Namen einer