Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1856)
- Article
- Kislew
- Date
- 1856-12-01
- Page
- 122 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Kislewwandt als du. Er ist nicht dein Abbild, wie der japhetische Gott, du bist Sein Ebenbild, in dir lebt ein Geist von Seinem Geiste, Er hat dich mit einem Vermögen von Seiner Allmacht gegürtet, mit einem Strahle von seiner Weisheit erleuchtet, mit einem Gedanken von seiner Wahrheit und seinem Rechte ausgestattet, mit einer Regung von seiner Liebe und Barmherzigkeit bereichert, und hat dich mit allem diesen über Alles zu sich empor in das Bereich seiner Freiheit gehoben und spricht zu dir: du bist mein Ebenbild, Ich sei dein Vorbild, sei heilig und wahr, gerecht und liebevoll wie Ich, gebrauche alle deine Kräfte, die ganze äußere Welt, die Ich dir zur Beherrschung verliehen, nach meinem Willen, erbaue mir mit deinem ganzen irdischen Dasein und Leben ein Heiligthum auf Erden, so werde ich in deiner Mitte wohnen und dich durch meine Nähe beseligen. Dieser Aufbau des ganzen irdischen Daseins und Lebens des Menschen zum göttlichen Wohlgefallen, zu einem Gottesheiligthum, zu einer ״Menschenhütte, in welcher Gott wohnt" — ist aber der ganze Inhalt des göttlichen Gesetzes. Wie der Gottesgedanke die Welten schuf und der Gotteswille die Welten lenkt, also lehrt dies Gesetz den Menschen, seine Welt frei durch den Gottesgedanken gestalten und frei durch den Gotteswillen regieren lassen. Während die japhetische Cultur dem Menschen das ,eigene Wohlgefallen, den Sinn für Anmuth und Schönheit zu Motiv und Maßstab seiner Veredlung bietet, und ihn eben damit aber auch zugleich allen Gebrechen und Schwächen, allen Verirrungen und Täuschungen dieses Sinnes überweist, während der gegenüberstehende Wahn die ganze Möglichkeit der Selbstveredlung des Menschen leugnet und dem irdischen Dasein alle Berechttgung und Seligkeit raubt — gtebt das Gesetz des Gottes Schems sein, Gottes, Wohlgefallen zum Motiv und Maßstab der Menschen- Veredlung, lehrt ihn das Reine und Unreine, das Lautere und das Unlautere, das Heilige und das Unhetltge, das für Gottes Wohlgefallen Schöne und Widrige kennen, zeigt ihm die Gränze, wo die Freiheit beginnt und die Unfreiheit endet, wo die Freiheit endet und die Unfreiheit beginnt in dem geistig-sinnlichen, göttlich-irdischen Menschenwesen, und spricht zu ihm: um deines Gottes Willen sei