Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1856)
- Article
- Kislew
- Date
- 1856-12-01
- Page
- 114 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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114 KiÄew. mehr und mehr über die Gemüther der Menschen in immer weiterer Ausdehnung gewonnen, immer mehr und mehr alles Rohe unterdrückt, immer mehr und mehr die Freude am Schönen hervorlockt und indem sie das Maß des Sinnlich-schönen sofort auch zum Maßstab für die.Selbstvollendung bietet, den Abscheu vor allem Rohen und Gemeinen weckt, der die Sitten mildert, die Charaktere veredelt, vor dem Gebot des Wohlanständige» Schlechtes und Gemeines zurücktreten läßt, und während sie an den göttlichen Funken in jeder Menschenbrust appellirt, ebensosehr den menschlichen Geist zur Höhe der Wissenschaft und der Grkenntniß ladet, als sie ihn sofort unfähig macht, sich sklavisch vor Götterprätensionen seines Gleichen zu beugen? Nicht umsonst hat Gott seine Welt mit dem Gewand der Schönheit umkleidet, in Formen und Tönen das Gesetz der Harmonie gesenkt und dem Menschen Aug und Ohr geöffnet diese Harmonien zu erfassen und sich ihrer im Geiste und Gemüthe zu erfreuen. Mit jcher Empfindung des Erhabenen, die dem Menschen der bestirnte Himmel und das Strahlendtadem der kommenden und scheidenden Sonne bringt, mit jeder Freude, die er an der Anmuth und der Schönheit einer Blume empfindet, wird er über den engen Kreis beschränkter Nützlichkeit gehoben und ein Ton in seinem Innern angeschlagen, der in inniger Verwandtschaft zu der noch höheren Einpstndung für das fittlich Schöne steht und ihn der Empfänglichkeit für dieses um einen bedeutenden Schritt näher bringt. Und weil der allgütige Schöpfer die Freude am Schönen, eben als Vorstufe für feine höhere Vollendung, tief in die Brust des Menschen gelegt und in diesem durch das Schönheitsgesühl veredelten Dasein der Mensch erst wahrhaft seiner selbst froh wird und zum heitern Genuß des irdischen Daseins ersteht, darum eben verwirklicht sich der Seherspruch von dem Triumph des japhetischen Geistes über alle Gemüther, darum öffnen sich rasch und gern die Pforten des Gemüthes der hellenischen Kultur, und der Kalokagathia, der durch das Gefühl des Schönen vermittelten Tugend griechischer Bildung, ist der verheißene Sieg gewiß. Vor ihr, d. h. vor der Wahrheit, die in ihr liegt, schwindet eben so einerseits die Unwtssenheit, Rohheit und der Kncchtessinn der Menschen, als sie auch sicherlich jede Lehre und jeden Wahn siegreich Niederkämpfen wird,