Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1856)
- Article
- Kislew
- Date
- 1856-12-01
- Page
- 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Hellenismus und das Judenthum. 113 Kraft- und Machtfülle sie ihnen in mit Symbolen überladenen Bildern vergegenwärtigt, vor denen der Mensch zitternd zu knieen, opfernd den Zorn zu besänftigen und die Gunst zu erstreben habe, vor deren überwältigender Machtfülle aber seine Persönlichkeit eben so wie das ganze Meer aller übrigen Wesen bedeutungslos verschwindet, und nur Auserlesene, Priester, Könige, aufrecht bleiben, die jene Mächte als Lehnsträger ihrer Machtfülle bestellt, oder vielmehr in welchen sie selber incarnirt, verkörpert, fleischgeworden, in die sichtbare Erscheinung treten und die übrige gemeine Menschheit zur knieenden Anbetung laden. Der hellenische Geist richtet zuerst den Blick des Menschen in sich, bringt ihn zum Selbstbewußtsetn, zeigt ihm in seinem eigenen Innern ein Ideal göttlicher Vollkommenheit und Schönheit, zu welchem Jeder sich selber vollenden kann, setzt das vollendete Menschenideal als das Höchste im Reiche der Wesen und macht ihm seine Götter selber nur zu solchen verwirklichten Idealen menschltcher Größen. Der vorhellenische Geist läßt Gemüth und Geist der Menschen nur durch die Noth und das Bedürfniß entwickelt werden, läßt ihn nicht zur Selbstachtung kommen, kennt nur die Furcht als Werkzeug, Beweggrund und Maß der Unterdrückung und Bezwingung der Leidenschaft; der Mensch bleibt roh, gewaltsam, düster und Sclave. Der hellenische Geist lockt Geist und Gemüth zur Selbstbildung durch die Freude an der Erkenntntß, durch die Lust am Edeln, giebt ihnen das Ebenmaß des Harmonischen und Schönen zur Unterdrückung roher Ausbrüche der Leidenschaft, ruft den Menschen zur Selbstachtung, vertraut den Menschen sich selber an, stellt ihn unter die eigene Obhut und erwartet um der Selbstveredlung willen von ihm die Selbstbeherrschung und die Beseitigung jedes Uebermaßes von Schlechtem und Gemeinem, das das göttliche Ebenmaß des Schönen und Wohlanständigen in Charakter und Gesinnung, in Rede und Handlung stören würde. Der hellenische Geist macht den Menschen gebildet, milde, froh und frei. Sollen wir uns nicht freuen der Erfüllung des alten Seherspruches: N2׳s! ״ ,יפח א׳die Pforten der Gemüther öffnet Gott dem Japhet", nicht freuen über die Macht, die diese hellenische Kultur immer