Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1856)
- Article
- Kislew
- Date
- 1856-12-01
- Page
- 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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112' Kjslew. lichen zu erheben, und Beiden Cham, das heißblütige, an dem thterisck Nackten sich weidende Rohe zur erziehenden Bewältigung gegeben. Also hatten sich bereits die drei Stammväter der neuen Menschheit vor den Augen des alten Sehers bewährt. Cham hatte die Blöße gesehen, er ging hinaus und erzählte davon den Brüdern. Schem und Japhet aber nahmen das Gewand, legten es sich auf Beider Schultern, gingen rücklings, deckten mit abgewandtem Angesicht die Blöße und schauten die Blöße nicht. Da sprach der erwachte Seher die bedeutsamen Worte: Segen wird nur dem Gotte Schems, und Cham's Sohn wird ihnen dienen; Gemüther wird Gott dem Japhet öffnen, wohnen aber in den Hütten Schems, und Chams Sohn wird ihnen dienen. Die ganze Weltgeschichte bis heute stellt sich aber als eine Lösung dieser Seherworte da. Als wahrhaft herrschend, geistig bildend und somit die Anschauungen, Sitten, Einrichtungen, Bestrebungen und Thaten der Völker gestaltend, haben sich bis jetzt auf der Schaubühne der Geschichte vor allem nur zwei Elemente erwiesen, denen gegenüber sich die übrige Menschheit als empfangend und dienend zu verhalten scheint, und diese beiden Elemente sind die in der griechischen Bildung gipfelnde Blüthe des japhetischen Geistes: der Hellenismus, und der Geist des von Israel, der semitischen Blüthe, getragenen und verwirklichten Wortes göttlicher Lehre und Lebens: der Judaismus. In jener alten Zusammenstellung erscheint aber der Segen, d. i. der Steg und die Erfüllung, nur der von Schem verkündeten Gotteserkenntniß verheißen; die Ueberwältigung der Gemüther durch die japhettsche Cultur aber nur als Vorbereitung für einen solchen dereinsttgen Aufbau der Hütten der Menschheit, daß in sie der von Schem gelehrte Gott einziehe und seine Stätte finde auf Erden — Der japhetischen Cultur werden zuerst alle Gemüther sich öffnen, dann aber Schems Gott in die irdischen Hütten etnziehen. Alle Anderen überwindet Japhet, Japhet aber Schem. Die vorhellenische Bildung der nichtjüdtschen Völker richtet den Blick der Menschen vorzugsweise nach außen, deutet ihnen die Erscheinungen der Welt als die Krastänßerung übermächtiger Naturgewalten, deren