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Jeschurun · 1856-11-01 · Heft 2 (November 1856) · p. 97

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 2 (November 1856)
Article
Der Ghetto und die Juden in Rom
Date
1856-11-01
Page
97 (sequence 10)
Language
German
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F. Gregorovius. 97 Später wollte das Volk Roms den Audenlauf nicht mehr mtssen, und ich finde in Sprenger's ״Rorna nova“ (vom Jahre 1667) die Nachricht, daß die Juden nackt und nur mit einer Binde um die Lenden laufen mußten, und zwar, sagt er, lausen erst die Esel, dann die Juden, dann die Büffel, dann die Berberpferde. Gerade zwei Jahrhunderte lang erduldeten die Juden Roms diese empörende Entehrung, bis fie nach immer wiederholtem Flehen durch päbstliches Edict davon erlöst wurden. Clemens IX. Rosptgliost befreite sie davon im Jahre 1668 und legte ihnen nun die Pflicht auf, statt des Rennens jährlich 300 Scudi zu bezahlen und statt des Vorschrettens vor der Cavalcade des Senators in der Thronkammcr vor den Conservatoren die Huldigung zu leisten und die Carnevalsprämien zu überreichen. Am ersten Sonnabend des Carnevals pflegten die Häupter der Juden als Deputation der Judenschaft Roms vor den Conservatoren des römischen Senats auf dem Capitol zu erscheinen. Sie warfen stch dann vor ihrem Sessel nieder und knieend überreichten sie einen Blumenstrauß und 20 Scudi mit der Bitte, diese zur Auszier des Balcons zu verwenden, auf welchem der römische Senat auf der Piazza del Popolo seinen Sitz nahm. In gleicher Weise gingen sie zu dem Senator und flehten ihn knieend nach hergebrachter Sitte um die Vergünstigung an, ferner in Rom bleiben zu dürfen. Der Senator setzte den Fuß auf ihre Stirne, befahl ihnen aufzustehen, und sagte nach hergebrachter Formel, daß die Juden in Rom nicht ausgenommen, doch aus Barmherzigkeit geduldet seien. Auch diese schimpfliche Dehmüthigung ist mit der Zeit geschwunden; aber noch jetzt kommen die Juden am ersten Sonnabend der Carnevalsfeste aus das Capitol und teiften hier Huldigung und den Tribut für die Pallien der Pferde, welche sie zu beschaffen haben, in Erinnerung dessen, daß nun die Pferde an ihrer Statt das Volk belustigen. Es fehlte im Mittelalter nicht an andern Huldigungsceremonten, welche den Juden Roms auferlegt waren. Bet dem großen Feste der Besitznahme eines erwählten Pabstes von dem Heiligen Stuhle mußten die Juden in festlicher Deputation ihm entgegenkommen, und man will wissen, daß sie sich schon den Kaisern in ähnlicher Weise verehrend darstellen mußten. Sie opferten in ihrem

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