Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 2 (November 1856)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1856-11-01
- Page
- 94 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932838-2940391--02076-2940475- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
94 Der Ghetto und die Juden tu Rom. Jehtel des Pabstes Minister sei, ein schöner Jüngling, klug und weise, der am Hofe des Pabstes einhcrgeht, nämlich als sein Haus- Hofmeister. Aber noch merkwürdiger ist die Nachricht, daß der Gegenpabst Anaklet II. (gest. 1138), Piero Leone, ein getaufter Jude oder doch eines getauften Juden Sohn war. Sein Geschlecht, Pier Leone, spielte in Rom als eine der angesehensten Familien eine glänzende Rolle durch lange Jahrhunderte. Dies Volk wußte sich also bis in die Aula des Pabstthums gleichsam einzuschmuggcln. Als Wechsler und Aerzte gingen Juden frank und frei bet den Päbsten ans und ein. Man findet alle jüdischen Aerzte der Päbstc namentlich aufgezählt in dem Werke des Mandosio: ״Degli archiatri pontificj”, welches Martin vervollständigt hat (Rom 1784). Der erste in dieser Reihe ist Josua Halorki, Arzt des Gegenpabstes Benedict XIII. (1394), eines'Mannes, welcher die Juden besonders geliebt zu haben scheint, da uns eine Notiz sagt, ein Judenweib habe auch seine Wäsche, seine Hemden und Meßgewänder besorgt. Halorki ließ sich später taufen und nannte sich Hieronymus de Sancta Fede; unter diesem Namen schrieb er ein Buch gegen die Juden (Hieronymi de Sancta Fede ex Judaeo Christiani contra Judaeorum perfidiam et Talmud tractatus, sive libri duo ad mandatum D. PP. Benedicti XIII.”); sein Name wurde von der Synagoge verflucht, wie der Name Uriel Acosta. (?) Aber auch Jnnocenz VII., dessen Gegenpabst Benedict war, gab im Jahre 1406 Inden vom Trastevere das römische Bürgerrecht, so dem Meister Elia di Sabbato, dem Meister Mose dt Lisbona, dem Meister Mose di Tivoli, welche alle Aerzte waren. Sie hatten als solche große Vorrechte und waren auch von dem schimpflichen Judaszeichen befreit. Martin V. Colonna (1417—31) begünstigte die Juden sehr; ein Jude Elias aus dem Ghetto Roms war sein Leibärzt. Fort und fort finden sich bis ins 16. Jahrhundert jüdische Leibärzte der Päbste, trotz aller Bannbullen dieses oder jenes judenfetndlichen Pabstes; denn als Orientalen, als Verwandte der Araber standen die Juden in aller Welt, auch bet den Fürsten und Kaisern, in dem höchsten Ansehen ärztlicher Wissenschaft. Samuel Sarfadi, ein spanischer Rabbiner, war Leo's X. Arzt, ein grundgelehrter und beredter Man». Natürlich fiel ein Schimmer der päbstlicheu Gnade, wenn