Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 2 (November 1856)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1856-11-01
- Page
- 93 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Von F. Gregorovtus. 93 Sobald nun das Christenthum römische Staatsreligion geworden war, mußten die Juden in eine neue, bei weitem gefährlichere Stellung zu den Herrschern und Magistraten Roms gerathen, weil sich nun zu der Verachtung der Römer auch der Haß der christlichen Religion gegen die Feinde des Stifters zu gesellen begann. Schon Konstanttn der Große erließ ein Verbot gegen, die Juden, christliche Diener zu halten, woraus man erkennt, daß eine Scheidung der Juden von der Gemeinschaft der Christen anfing religiöse Vorstellung zu werden. Noch strengere Vorschriften erließ der Thcodosianische Codex gegen die Vermischung der Juden und Christen; er verbot auch den Juden in allen Provinzen ein gewisses Fest zu feiern, wobei fie ihren versteckten Haß gegen den gekreuzigten Heiland sehr schlau auszulassen pflegten. Es war dies nämlich das Fest, das sie zum Andenken an den Sturz ihres Feindes Haman feierten; denn eben diesen stellten sie als einen Gekreuzigten dar und verbrannten ihn an jenem Tage unter großem Schreien und Toben, gleich als wäre es der christliche Religionsstifter?׳) So lange nun nach dem Untergange der römischen Herrschaft noch der römische Senat, also eine blos bürgerliche Behörde, das Regiment der Stadt führte, mochten die Hebräer sich eines besseren Looses zu erfreuen haben; aber mit der Herrschaft der Päbste waren sie dem Fanatismus preisgegeben, welcher sich nach und nach zu einer durch das Gesetz geregelten Barbarei steigerte. Doch war in den ersten Jahrhunderten des Mittelalters der Judenhaß noch nicht so groß, daß man die Hebräer als den Auswurf der Menschheit hätte betrachten und behandeln mögen. Selbst noch zur Zeit Alexandcrs IH. (1159—85) gab es in Rom freie und angesehene Juden, zumal reiche Aerzte von großem Rufe und Diener des Pabstes selbst. Denn es erzählt Benjamin von Tudela. in seiner Reise, daß er unter Alerander's Poutificat gegen 200 Juden gefunden habe, welche angesehene Männer waren, Keinem trtbutbar, worunter der Pabst seine Diener habe. Dort findet man, sagt er, sehr weise Leute, von denen der erste der große Rabbi Daniel und Rabbi *) Sß'te weit entfernt die Juden Lei dieser VolkSjnstiz in effigie waren an den Stifter der christlichen Religion zu denken, weiß jeder Jude und ist dies eine der vielen grundlosen Verdächtigungen, unter denen die Inden von ihren Feinden zu leiden hatten. - Die Red.