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Jeschurun · 1856-11-01 · Heft 2 (November 1856) · p. 92

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 2 (November 1856)
Article
Der Ghetto und die Juden in Rom
Date
1856-11-01
Page
92 (sequence 5)
Language
German
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92 Der Ghetto und die Juden in Rom. Art und Geschäft den Juden von heute so ziemlich gleich waren. Die Verachtung der Römer gegen diese unglücklichen Menschen war groß, Und es galt für eine Beschimpfung, in einem jüdischen Bet- Haus gewesen zu sein, während die Theilnahme an dem Cultus der Isis, des Mithras, des Priap keineswegs als Entehrung galt. Und so ist es merkwürdig genug, denjenigen Gottesdienst, welcher in Rom von allen Idolen und aller Bildernitd Thierverehrung zu allen Zeiten allein frei war, mit schimpflicher Verachtung behandelt zu sehen. In der vierzehnten Satire beklagt stch Juvenal einmal über den schimpflichen Aberglauben, welcher einige Römer antreibe, stch ins Judenthum einweihen zu lassen: Einige, denen der Zufall gab zum Vater des Sabbaths Ehrer, beten die Wolken nur an und das himmlische Wesen, Und sie achten des Schweins Fettflcisch gleich menschlichem heilig, Deß sich der Vater enthielt, ablegen sie bald auch die Vorhaut. Aber das Römergesetz zu verachten, sie selber, gewohnt nun, Lernen sie Judengesetz und beachten mit heiliger Ehrfurcht, Was nur immer die Bücher, die mystischen, lehren des Moses. Zu jener Zeit gaben sich die Juden, wie bet uns die Ztgeuner, aber auch mit Wahrsagerei, mit gemeinen Liebeskünstcn, Zanbertränken und dunkeln Heilmitteln ab. Auch dieß sagt Juvenal in seiner sechsten Satire: Lassend das Heu und den Tragkorb, Bettelt die Jüdin, die zitternde, leis in das heimliche Ohr nun, Die das Gesetz auslegt von Jerusalem, heiligen Waldes Prtesterin sie, die erhab'ne, des Himmels vertrauliche Zeugin. Sie auch füllet die Hand, doch billig für kleineres Geldstück Bieten die Juden dir feil, was immer von Träumen du wünschest. Die Verhältnisse der Juden in Rom unter den späteren Kaisern sind dunkel. Eine Notiz erzählt, daß Alexander Severus ihnen gestattete, im Trastevere zu verbleiben, welches bis in das späteste Mittelalter von Juden bevölkert gewesen sein muß, weil man selbst die Brücke Hadrtan's, den Ponte San-Angelo, Jndenbrücke zu nennen anfing. Hadrian hatte Jerusalem zum zweitenmal und gänzlich zerstört, und zahllose Juden waren auf den Märkten Syriens zum Preise von Pferden verkauft worden. Ohne Zweifel vermehrte sich seitdem die Judenschast in Rom beträchtlich.

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