Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 2 (November 1856)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1856-11-01
- Page
- 89 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932838-2940391--02071-2940470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von F. Grcgorovius. 89 einzelne Prunkstücke des Festzugö, sondern wie in einem Strom daherfließend. Gewänder, thetls mit dem feinsten Purpur getränkt, theils mit babylonischer Kunst auf'ssorgsältigste gestickt, schimmernde Edelsteine, in goldene Kronen gefügt oder in andern Fassungen, wurden in solcher Anzahl vorbeigetragen, daß man es für Jrrthum ansah, solche Dinge noch für selten zu halten. Es folgten Götterbilder, an Größe außerordentlich und an Kunst unnachahmlich — Alles ans den kostbarsten Stoffen. Auch Thiere verschiedener Art und in den seltensten eigenthümlichen Verzierungen wurden vorbeigeführt. Sämmtliche Träger dieser Kostbarkeiten erschienen in purpurner und vergoldeter Kleidung. Besonders herrlich waren die Soldaten geschmückt, welche an der Ehre des Triumphes theilnehmen durften. Selbst die Schaar der Gefangenen zog die Aufmerksamkeit auf sich. Ihre bunte Kleidung entzog den Angen der Zuschauer den widerlichen Ausdruck dieser ausgemergelten Gestalten. Das größte Erstaunen erregten die prachtvollen Baldachine. Man mußte unwillkührltch für die Kräfte der Träger fürchten. Einige hatten drei und vier Wölbungen übereinander, und die Kunst der Ausführung war ebenso erstaunlich als angenehm. Viele waren noch mit goldgestickten Teppichen überhangen, an allen funkelten kunstreiche Arbeiten aus Gold und Elfenbein. In allen möglichen Formen und Wendüngen stellte sich der Krieg dar: Da sah man eine verheerte Ge- .gend, ganze Reihen gefallener Feinde, Fliehende, Gefangene, unermeßliche hohe Mauern unter dem Stoß der Maschinen stürzen, feste Burgen zertrümmert, die Mauern volkreicher Städte erstiegen, ein in das Innere hereinstürmendes Heer, Blutbad, Hülfcflehende, Wehrlose, brennende Tempel, Häuser, die über ihren Bewohnern zusammenstürzen, endlich nach einer weiten, wilden Verherung hereinströmende Flüsse, nicht um Felder zu wässern oder Menschen und Hcerden zu tränken, sondern um den allgemeinen Brand zu löschen. Dies Alles, erzählten die Juden, hätten sie im Kriege erduldet. Die prächtige Ausführung stellte selbst dem Unkundigen Alles wie gegenwärtig dar. Bet jedem der Baldachine standen die feindlichen Befehlshaber in der Haltung, wie sie gefangen wurden. Nun folgte eine Menge Schiffe. Andere Kriegsbeute war haufenweise getragen, doch Alles mußte erbleichen vor den Tempclgefäßcn von Jerusalem: ein goldener Tisch von mehreren Talenten an Gewicht, ein Krön-