Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 2 (November 1856)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1856-11-01
- Page
- 85 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932835-2932838-2940390--02066-2940466- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Homer 1× ep/1025156
OCR text
Von vr. M. Kayserling. 85 Kunstwerken des Alterthums, zu vergleichen. In dieser Weise spricht sich besonders der unfern Lesern aus einer frühern Betrachtung wohl noch bekannte Enriquez Gomez in seinem ״Samson" aus, ״Es ist so schwer," sagt Gomez, ein heroisches Gedicht zu verfassen, daß unter allen Denen, welche in den verschiedenen Sprachen es versucht haben, nur fünf sich den Lorbeer verdienten. Der erste war der Vater Homer in seiner ״Odyffee, der zweite Virgil in der Aeneide, Tasso der dritte mit seinem befreiten Jerusalem, der vierte der Portugiese Camöns in der Lustada oder den Lusitanern und der Doktor Silveyra ist der Fünfte mit dem Macabaeo Homer ist göttlich schön, Virgil erhaben, Camöns bewundernswerth, Tasso tief und Silveyra wahrhaft heroisch, er ist der einzige, welcher einen heldenmüthigen Charakter in leichtem, fließenden Style malte." Wollen wir nur auch wohl gerne einräumen, daß Gomez der Glaubensgenosse, vielleicht auch der Freund des Dichters, den Macabaeo ein wenig zu sich gesellt und ihm einen Platz angewiesen hat, dessen er stch wahrscheinlich selbst nicht würdig hielt, so kann doch auch der unpartheiischc und leidenschaftlose Beurtheiler den vielen sich darin findenden Schönheiten sein Lob und seine Hochachtung nicht versagen und muß ihm einen Vorzug vor vielen anderen Produkten des Jahrhunderts einräumen. Ein glücklicheres Thema hätte unser Dichter wohl kaum zum Gegenstände seiner Bearbeitung wählen können, als diese jüdische Feuersecle, diesen Hasmonäerfürsten, welcher sein überall siegreiches Schwert nicht eher aus Händen legte, bis er auf dem Schlachtfeld seinen Geist aufgab. Schon Italiens lieblicher Sänger, Tasso, wollte denselben Juden in einem Heldengedichte verherrlichen — doch er wandte sich der seineui Gemüthe weit mehr zusagenden Ritterzeit zu; er blieb freilich auf heiligem aber nicht mehr jüdischen Boden. Silveyra fand in der Behandlung unseres Helden die ganze Ruhe, die volle Seligkeit — seine Dichtung liefert uns das Bild seines im Glauben verharrenden Innern; auch er war durch Gewalt fortgerissen, mit htneingezogen in den Taumel der Welt aber sein Herz blieb jüdisch, blieb, wenn wir so sagen dürfen, echt, denn ״ein jüdisch Herz ist," wie ein um Deutschland wohl verdienter Mann, der die päpstliche Hierarchie mit einem Schlage erschütterte, in seiner derben Weise stch ansdrückt, — ein Ausspruch den unsre hohe Geist- 6