Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 2 (November 1856)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1856-11-01
- Page
- 83 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Dr, M. Kayscrling. 83 Venedig (1624) ans Licht trat, andererseits auch in diesem Lande und zwar in Ferrara seine Familie ansässig war. Das Wenige, was wir über sein in spanischer Sprache, im einfach gefälligen Style aus 12 Gesängen bestehenden Gedichte erfahren, wollen wir unfern Lesern nicht vorenthalten. Jacob Usiel — er war auch Doktor — hat in dem 9. Gesänge den sonderbaren Einfall, einen spanischen Navigator bet dem königlichen Hof in Jerusalem einzuführen — vielleicht schickte Salomon seinen Ober-Steuereinnehmer Adoniram, dessen Grabmal man auf der Halbinsel gesunden haben will, zum Gegenbesuch an den befreundeten Hof. Sollten etwa schon damals die Spanier den mit reichen Schätzen beladenen jüdischen Gesandten aus Fanatismus getödtet und ihm ein Denkmal mit Inschrift gesetzt haben? Doch davon erzählt Jacob Usiel nichts. Wenden wir uns nun nach dieser kurzen Episode zu Silvehra, so tritt uns hier ein Mann mit hervorragendem Geiste und einer seltenen Gelehrsamkeit entgegen. Kann man von einem Menschen sagen, daß er sein ganzes Leben hindurch studtrt, geforscht und unter allen Verhältnissen eifrig bemüht war, sein Wissen zu beretchern, so wird man dieses von unserm Dichter mit vollem Rechte behaupten können. Auch von seinem Leben können wir nur das mittheilen, was׳ er selbst davon berichtet — Niemand hat es der Mühe werth erachtet, die Entwickelung dieses Mannes zu verfolgen, während doch die unbedeutendsten Etnzelnhetten anderer, mit ihm keinen Vergleich aushaltender Sänger sorgsam und ängstlich verzeichnet sind. Er wurde in Portugal in der Mitte des 16. Jahr- Hunderts — das Jahr ist nicht angegeben — geboren, kam in früher Jugend nach Spanien und studirte zuerst in Coimbra Philosophte, wandte sich alsdann nach Salamanca, woselbst er sich, wie die noch vorhandenen Verzeichnisse der Universität auswetsen, mit Cervantes, dem glänzendsten Märtyrer der Poesie, zu gleicher Zeit aufhielt, und, ohne der Philosophie abhold geworden zu sein, mit der Jurisprudenz, der Mathematik und der Medizin beschäftigte. Würde uns dies ein spanischer Sammler, denen in der Regel nicht viel zu trauen ist, berichten, so würden wir noch bescheidene Zweifel an der Wahrheit hegen, so aber erzählt es uns aber Silveyra in dem Vorworte zu seinem genannten Werk selbst. ״Die Liebe zu meinem Helden", heißt es dort, ״brachte den schon lange gereiften