Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1856-1857)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1856)
- Article
- Unser Artikel: Die Conferenzen der Grands Rabbins zu Paris
- Date
- 1856-10-01
- Page
- 27 (sequence 7)
- Language
- German
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Ue'bet die Conserenzen der Grands Rabbins. 27 ■i ff׳: ד % H wieder einsehen werden, daß sie nicht zu Legislatoren, 'sondern zu Interpreten unserer Religionsgesetze berufen seien, und in welchen endlich die Gemeinden wieder zu dem Bewußtsein erwachen werden, daß auch zu, innerhalb der religtonsgesetzlichen Bcfugntß zu fassenden, Maßnahmen nicht die Rabbiner, sondern sie vor Allem in erster Instanz zu hören seien, und es ebenso sehr ihrer Pflicht, wie ihrem Rechte widerstreite, sich in ihren heiligsten Angelegenheiten mundtodt machen zu lassen. Erschienen uns aber diese Conserenzen ihrer Form nach unberechtigt, so erschienen sie uns ihrem Inhalte nach tief betrübend, und zwar nicht sowohl nach dem, was sie enthielten, als ganz besonders nach dem, was sie nicht enthielten. Daß eine Versammlung von Grands rabbins Beschlüsse. wie die über die Piutim und die Orgel, fassen konnte, ist traurig. Daß aber eine solche Versammlung in einer solchen Zeit, wie die unsrige, 5/7 ihrer Sizzungen, 2/3 ihrer Zeit mit Nichts als Piutim, Predigt, Synagogengesang, Mizwothverkauf u. s. w. u. s. w>, überhaupt mit Gegenständen des Synagogcngottesdienstes verbringen, die Fragen des reltgivsen Unterrichts in dem Hintergrund lassen konnten, und die Frage des eigentlich jüdischen Gottesdienstes, die Erhaltung des göttlichen Gesetzes im Leben, den Aufbau des Hauses und der Famitte auf dem Boden des göttlichen Gesetzes mit keiner Silbe berührten, das war's, was uns auf's Tiefste beklagenswerth erschieneu und was wir auch mit dem ganzen Schmerz der innersten Ueberzeugung aussprachen. Wie wir aber jene Nichtberücksichtignng der unveräußerlichen Rechte unserer autonomen jüdischen Gemeinden nur als eine Verirrung erkannten , nd behandelten, die die französischen Grands rabbins und (5e1r . nnen mit den Rabbincn und Gemeinden einer großen Mehrzahl aller andern Kreise theilen, ebenso erschien uns diese so unverhältnißmäßige Bevorzugung des öffentlichen synagogalen Gottesdienstes als das beklagenswerthcste Uebel, das unser religiöses Leben in weiten Kreisen untergräbt, indem es das Jndenthum, dessen Tempel Himmel und Erde, und dessen Allerheiligstes die 4 Ellen der Halacha, dessen Altäre die Hütten und Häuser der Menschen, und dessen Opfer jeder Pulsschlag aller Herzen sein soll, zuletzt in die paar Regungen einer mit obligater Orgelbegleitung verherrlichten Tempelandachtsminnte anfgehen zu lassen droht —