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Jeschurun · 1856-10-01 · Heft 1 (Oktober 1856) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1856-1857)
Issue
Heft 1 (Oktober 1856)
Article
Tischri
Date
1856-10-01
Page
6 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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6 Tischri-Bilder. kleinen Verhältniße und Anliegen zu solcher unbedeutenden Winzigkeit zusammen, daß du zuletzt kaum mehr zu denken wagst, selber in diesem Reich der Unendlichkeiten Etwas zu bedeuten, daß du zuletzt Gott zu lästern meinst, wenn du es ihm zumuthen solltest, seinen Sternenwelten musternden Blick auch auf dich, ״den vergänglichen Staub, den verschwindenden Schatten, den dahinflatternden Traum," fallen zu lassen. So konnte gerade der Gedanke dich bis zur Selbstverachtung, zusammenschmettern, der dich anfzumuntern und zu ermannen dir gesendet ist. So konntest du gerade einer stumpfen Gleichgiltigkeit, die Alles als das Ergebniß einer für dich wenigstens blinden Nothwendigkeit hinnimmt, in dem Anblick Des dich überlassen, vor dessen Auge du doch gerade zu Selbstprüfung und Selbstlänterung und Selbstheiltgung berufen sein sollst. Da treten die Muttergestalten mit ihren Knaben an dich heran, und sprechen: בראש השנה נפקדו שרה רחל חנה, am Rosch Haschanah wurden wir von dem barmherzigen Vater bedacht! Am Rosch Haschanah wurden unsere Wüilsche erhört! Am Rosch Haschanah wurden uns unsere Kinder geschenkt! Nicht in den Harmonien der Sphären, nicht in dem Donner der Welten, nicht in dem Welteil bauenden und zerstörenden Kreisen der Elemente, nicht tir den Völkergeschtcke gestattenden Umwälzungen — gerade in deinem eigenen/kleinsten, beschränktestcn, menschlichen Anliegen suche Gott. Sterne ziehen vielleicht in den vom Schöpfer bet ihrem Werden ihnen angewiesenen Geleisen ihre, wie die Sterblichen es nennen, ewigen Bahnen — in dem Kampf der Elemente-und — der Völkermassen walten vielleicht die noch an dem ersten, alten ״Werde" des Schöpfers Hangenden Gesetze der Natur, und unrettbar folgt ihnen Alles, was sich selber auf das Rad ihrer Nothwendigkeit flicht. Aber dem Gott suchenden Herzen, dem Gott schauenden Geiste, dem zu Gott sich aufschwingenden Gemüthe, den Gott sich weihenden Menschenhütten und Kreisen ist Gott noch heute unmittelbar mit seinem freien, allmächtigen Schöpferwalten nahe, in jedem Augenblick eine neue Welt und ein neues Dasein und eine neue, frische, freie Zukunft zu gestalten. Die Schöpfung der Natur ist vollendet, die Menschenschöpfung, die Pflanzung, Pflege, Entwickelung, der'ganze Ausbau des Mcnschlichen und des Göttlichen im Menschen auf Erdeir, ist das noch immer neu sich vollziehende Schöpferwllnder des Allmächtigen, das alle

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