Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 671 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Von F. Gregorovtus. 671 den nicht nn diesem, sondern an dem folgenden Tage die Getreideaustheilungen zukommen zu lassen, weil nämlich an jenem heiligen Tage die Juden Geld und Gaben weder empfangen noch geben druften. Man weiß, daß Philo im Jahr 40 von den alexandrinischen Juden an der Spitze einer Gesandschaft an de» Kaiser Casus, (Caligula) abgesaudt worden war, um über die grausame Mtshandlung Beschwerde zu führen, welche die Alexandriner an den Juden auslteßen, die in jener Welthandelsstadt zahlreich ansässsg waren. Ec erzählt, wie Caligula diese Judengcsandten in seinem Landhause empfing, wo er wie ein Wahnsinniger aus einem Zimincr ins andere lief, bald Befehle zu Neubauten gab, bald alte Bilder aufstellen ließ, während die Juden ihm von Zimmer zu Zimmer folgten, unter beständigem Lustgelächter aller Anwesenden. Der Kaiser selbst fragte sie spottend, warum sie kein Schweinefleisch äßen. Der Lärm Derer nun, die uns auspfiffen nud mit schallendem Gelächter verhöhnten, war so groß, als stünden wir auf einem Theater. Und so haben wir schon in jener Zeit dieselben Scenen vor uns, wie sie später im Mittelalter und bis in die neueste Zeit in Rom gesehen wurden, wenn die Juden am Monte Giordano oder am Titusbogen anfgeretht standen, den neu erwählten Pabst zu bewillkommnen, verhöhnt von dem Gepfeife der Straßenjungen und dem schallenden Gelächter des Volks. Caligula war aus einem besonderen Grunde gegen die Juden erbittert. Er hatte nämlich die Idee gefaßt, sich als Gott in einer kolossalen Statue im Allerheiligsten des Tempels zu Jerusalem aufstellen zu lassen, da er vernommen, daß die jüdische Nation die einzige des Erdkreises sei, welche sich weigere, ihm göttliche Ehre zuzusprechen. Er gab also Petronius, dem Statthalter von Phönizien, den Befehl, seine Statue aufzustelle». Da zog, wie Josephus und Philo erzählen, ganz Judäa nach Phönizien, Greise, Männer, Weiber und Kinder, gleich einer Wolke bedeckten sie Phönizien, und so groß war ihr Wehegeheul und Weinen, daß selbst, als es still geworden war, das Echo noch die Lust durchtöntc. Sie warfen sich vor Petronius aus die Kniee und beschworen ihn, sie alle zu ermorden, waffenlos, wie sie seien, aber nimmer würden sie es dulden, daß man das Hetligthum ihres GotteS schände« Diese Scene