Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1856-09-01 · Heft 12 (September 1856) · p. 670

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 12 (September 1856)
Article
Der Ghetto und die Juden in Rom
Date
1856-09-01
Page
670 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2932754-2932821-2932834-2940182--01908-2940258
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

670 Der Ghetto und die Juden tn Rom. und Tvdtenklagen sangen. Auch Augustus duldete sie und gewährte ihnen volle Freiheit, in Rom sich zu bewegen und ihre Geschäfte zu treiben; daher beklagten sie dankbar auch seinen Tod und weinten um ihn, wie es heißt, eine ganze Woche lang. Damals waren sie nicht an einen bestimmten Ort in der Stadt gewiesen, obwohl wir im Philo die Mtttheilung finden, daß Augufius den Juden in Rom, meistens Freigelassenen, das Quartier Trastiberis gab, einen guten Thetl der Stadt, wie er sagt. Doch wohnten sie auch an andern Stellen, am häufigsten jedoch in dem heutigen Trastevere, also nicht wett von dem jetzigen Ghetto und jenseit des Flusses/Der römischen Tradition nach kehrte Petrus im Jahr 45 im Trastevere ein, in der Nähe der jetzigen Kirche Santa-Cecilia, weil dorten Juden wohnten; aber er soll auch aus dem Aventin gewohnt haben, tn dem Hause der heiligen Aqutla und Prtsca, jüdischer Ehegatten, welche zum Christenthum übertraten. Wie mild Augustus mit den Juden verfuhr, geht aus jener Stelle des Philo hervor in seiner höchst merkwürdigen Schrift: ״Die Gesandtschaft an den Cajus." Dort sagt der gelehrte alexaudrtnische Jude, daß jener Kaiser die Juden stets freundlich behaudelt habe, er, der es wohl wußte, daß fie den großen Stadttheil Trastiberis bewohnten, meistentheils Freigelassene, wie er sagt, zuvor als Gefangene nach Italien geführt und von ihren Herren freigesprochen, ohne gezwungen zu sein, an den Gebräuchen ihrer Vater etwas zu ändern. An solche jüdische Freigelassene erinnert noch heute den Wanderer in den Trümmern Roms ein merkwürdiger Grabstein auf der Via Appia, welcher die Namen zweier Juden, Zabda und Akiba, trägt. — Ihm war es bekannt, fährt Philo fort, daß sie Synagogen besaßen, wo fie alle Wochen zusammenkamen, um in den Lehren der Weisheit ihrer Väter unterrichtet zu werden. Er duldete es auch, daß fie das Geld von den Erstlingen nach Jerusalem schickten, damit dort für sie geopfert würde. Und dennoch vertrieb er sie nicht aus Rom, noch raubte er ihnen das römische Bürgerrecht, da er dem jüdischen Volke freundlich gesinnt war; auch änderte er nichts an ihren Synagogen, noch an ihren Zusammenkünften. Ja er selbst, erzählt Philo, schmückte den Tempel zu Jerusalem mit kostbaren Weihgeschenken und ließ dort ganze Opfer schlachten; er achtete den Sabbath so sehr, daß er befahl, den Zu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.