Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 672 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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672 Der Ghetto und die Juden in Rom׳ ist eine der großartigsten Volkstragödten, die je aufgeführt worden find, und dieser moralische Widerstand der Juden gegen Caligula einer der staunenswurdigsten Züge in der Geschichte der jüdischen Nation, welcher sie mehr verherrlicht, als die größten Thaten David's und Salomo's. Petronins war ganz erschüttert, er schrieb einen ausweichend abmahnenden Brief an Caligula; und nun kam des Kaisers Jugendfreund, jener König Agrtppa, nach Rom, welcher für sein Volk bittend etntrat. Philo erzählt, ohne Zweifel übertreibend, daß sein Entsetzen über die tempelschänderische Zumuthung des Caligula so groß gewesen, daß er ohnmächtig sortgetragen werden mußte und in eine lebensgefährliche Krankheit verfiel; hierauf läßt er ihn einen meisterhaften Brief an den Kaiser schreiben, in Folge dessen Caligula, der Kaiser Rom's, dem die ganze Welt als einem Gotte Tempel, Altäre und Statuen ausstellte, von seinem Vorhaben abstand, sein Bild im Tempel zu Jerusalem aufzurichten. Sein schneller Tod war es nur allein, der auch die Juden Romsvor seiner Rache schützte. Leider giebt uns Philo keine Nachricht von dem Zustand der damaligen Inden im Trastiberts; es scheint, sie bildeten dort eine eigene Synagoge der Libertiner oder Freigelassenen, denn unter diesem Namen nennt sie auch die Apostelgeschichte 1, 9. (Fortsetzung folgt.)