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Jeschurun · 1856-09-01 · Heft 12 (September 1856) · p. 669

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 12 (September 1856)
Article
Der Ghetto und die Juden in Rom
Date
1856-09-01
Page
669 (sequence 6)
Language
German
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Von F. Gregvrovtns. 669 rig zu ermitteln, und nur sparsam sind die Nachrichten römischer Schriftsteller. Mit dem Einzüge des Pomp ejus in Jerusalem, wo er ans Neugierde Und von den Bitten der erschreckten Juden nicht zurückgehalten, das Allerheiligste des Tempels betrat, beginnt eine fortdauernde Verbindung zwischen Jerusalem und Rom. Pompejus scheint die ersten jüdischen Sklaven nach Rom gebracht zu haben; wenigstcns ist es unbestritten, daß seit seiner Zeit jüdische Freigelassene und andere wahrscheinlich durch Speculatton herbeigeführte Hebräer in der Stadt wohnten. Sie lebten hier zwanglos und als eigene Sekte nach den Religionsgebräuchen ihres Gesetzes, während die Prinzen und Prinzessinnen ihres Landes, allen andern kleinen Königen und Fürsten gleichgeachtet, ab und zu vor dem Senat und vor dem Hose Roms erschienen, ihre Interessen zu besorgen Denn damals gab es noch jüdische Fürsten. Man sah also den glückstchen Herodes mehrmals in Rom und mit allen Zeichen königlicher Würde als ein Fürst mit den Cäsaren verkehrend, an ihrer Tafel speisend und im Theater in der Fürstenloge sitzend; man sah Archelans und die jüdische Prinzessin Salome, Antipas und Antipater in der Stadt, und nicht wenige Judenprinzen wurden dort am Hofe erzogen. Der Enkel des Herodes, Agrippa, ein abenteuernder Glücksjäger, war mit Drusns, des Ttberius Sohn, erzogen worden und der Busenfreund des Calignla, dessen Lüste er thetlte. Der junge jüdische Wüstling befreite sich kaum aus dem Schuldenthurm, als ihn Tibertus in den Kerker warf, wo er sechs Monate schmachtete, bis ihn der Tod des Kaisers erlöste und Caligula ihn zum König der Juden machte. Eine glänzende Rolle spielte in Rom besonders die schöne jüdische Prinzessin Veronica oder Berenice, Agrippa's Tochter, Schwester und Buhlerin ihres Bruders, des jüngeren Agrtppa, des letzten Judenkönigs. Sie lebte nach der Zerstörung Jerusalems in den Gemächern des Titus als dessen Geliebte; doch gelang es ihr trotz aller Jntriguen nicht, sich zur Kaiserin von Rom zu machen. Während uuu in jener Zeit abenteuernde jüdische Prinzen und Prinzessinnen in Rom waren, hatten sich Juden bereits tu Rom angesiedelt. Cäsar war ihnen günstig; es beweist dies die Nachricht, daß sie nach seiner Ermordung die Nacht hindurch um ihn weinten

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