Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 666 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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666 Der Ghetto und die Juden in Nom. sprach ein Dankgebet. Das Gleiche that Titus. Nach dem Gebet richtete Vespasian an die ganze Versammlung einige Worte und entließ dann die Soldaten zu dem nach herkömmlicher Sitte von den Inperatoren bereiteten Mahl. Er selbst ging nach dem Thor zurück, das den Namen des Triumphthors fuhrt, weil es immer bei diesen Gelegenheiten durchzogen ward. Dort genossen sie etwas Speise, zogen die Trinmphskleider an, opferten in den an das Trtumphthor angebauten Tempeln, und nun begann der Umzug, und zwar mitten durch das Theater, damit das Volk alles desto leichter sehen könnte." Seiner Schwester Octavia zu Ehren hatte Augnstus die nach ihr benannte prachtvolle Halle von zwei Säulenreihen gebaut. Ein Thetl des Vorbaus ist erhalten; er stößt jetzt an den Fischmarkt, der den Ghetto begrenzt; in die Trümmer der Halle aber ist die Kirche San-Angelo in Pescaria hineingebaut, ein Gotteshaus, das sich gleichfalls auf die Juden bezieht, weil sie gezwungeu wurden, in ihm die wöchentlichen Bekehrungspredigten anzuhvren, wozu sie im Mittelalter von Polizeisoldaten mit Peitschenhieben und rudelweise htnetngetrieben zu werden pflegten. Der Ghetto also liegt an eben jener Halle der Octavia, wo Vespasian und Titus den Triumph über die Juden etnweihten, und um diesen jetzt im Schmutz starrenden Porticus wohnen heute Nachkommen jener Hebräer, die damals Kriegssclaven des Titus waren. Wegen der historischen Beziehung des Volkes Israel zu den Römern, welche Jerusalem zerstörten und das Judenvolk in die Welt zerstreuten, ist der Ghetto Roms unter allen Zudengemeinden Europas der merkwürdigste. Andere Judenschaften, zumal die von Spanien und Portugal im Mittelalter und die aus ihnen hervorgegangene Synagoge von Amsterdam, sind denkwürdiger durch ihre wissenschaftlich-theologische Ausbildung; keine hat das Alter und die ganz und gar geschichtliche Unmittelbarkeit der Judengemeinde von Rom. Daß es sich hier weder nm Talmud, noch jüdische Philosophie und Kabbala handeln kann, versteht sich ja wohl aus dem Local; denn der römische Ghetto ist gleichsam ein zweites Gosen der Pharaonischen Sklaverei, und seine Geschichte ist die der ganz unglaublichen Hartnäckigkeit einer kleinen Sklavengemeinschaft im Dulden eines von Geschlecht zu Geschlecht sich sortsetzenden Drucks. Bedenkt man, daß es Rom ist, wo dieses Zuhenvolk sich nun