Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 665 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Von F- GregoroviuS. 665 Titusbogen eine kurze Strecke weit nach dem Tibcrfluß htuuntergeht und den Ghetto durchwandert, erblickt hier und da an bewohnten Häusern den stebenarmigen Leuchter vom Tempel zu Jerusalem in die Wand gemeißelt. Es ist dasselbe Bild, wie er es eben am Triumphbogen sah, doch lebt es hier als ein noch lebendiges Symbol der jüdischen Religion, und noch heute wohnen hier Nachkommen jener einst von Titus im Triumph aufgesührten Juden, und wenn man die Synagoge der Hebräer betritt, sieht man auf ihren Wänden dieselben Verwundersamen Skulpturen, die Bundeslade, den goldenen Tisch des Tempels, die Jubeljahrstrompeten. Ein noch dauerndes und unvertilgtes Judenvolk betet unter diesen Bildern seiner einst von Titus nach Rom geführten Tempelgefäße zu. dem alten Gott von Jerusalem. Er war demnach mächtiger als der capitvltnische Zeus. Da ist nun die Halle der Octavia. Verfallen und verbaut ragen ihre noch mächtigen Bogen und Pfeiler hart neben dem Ghetto. Hier war der Ort, wo einst Vespastan und Titus den Siegeszug über Israel mit festlichem Schaugepränge etnleiteten. Damals stand dort zuschauend ein Jude, ein Begleiter und Schmeichler des Titus, Flavins Josephus, der bekannte Geschichtschreiber. Er schämte sich nicht, dem Triumphe über sein eigenes Volk beizuwohncn, an dem Glanze des Aufzugs sich zu weiden und ihn schmeichlerisch zu beschreiben. Dem niedrigen Judenhvsttng verdanken wir deßhalb die Schilderung des Triumphs. ״Nachdem", erzählt er, ״das ganze Heer in Reih und Glied unter seinen Führern bei Nacht herangezogen und vor den Thoren, nicht des ober« Palastes, sondern des Isistempels aufgestellt war (dort brachten die Imperatoren die Nacht zu), traten mit Tagesanbruch Vespastan und Titus mit Lorbeerkränzen und im Pupurgewande hervor und schritten nach der Halle der Octavia. Dort warteten ihrer Ankunft der Senat und die höchsten Beamten, sowie die Ritter vom höchsten Rang. Vor den Hallen war eine Bühne angebracht, worauf elfcnbeinerue Stühle standeu; diese bestiegen die beiden Kaiser und setzten sich; sogleich erhob das Heer ein Jubelgeschrei und pries ihre Thateu. Auch die Soldaten waren unbewaffnet, in seidenen Gewändern und mit Lorbeer bekränzt. Nachdem Vespastan ihren Zuruf empfangen, unterbrach er ihren Jubel und gab das Zeichen zum Schweigen. Sogleich entstand tiefe Stille. Vespastan erhob sich, verhüllte sein Haupt mit dem Gewände und