Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Der Ghetto und die Juden in Rom
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 664 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Der Ghetto und die Juden in Nom.*) Aus: Figuren, Geschichte, Leben u. Scenerie a. Italien, von F. Gregorovius. Zusammengedrängt in einem dumpfen und traurigen Winkel Roms, welchen der Tiberfluß von dem Trastevere scheidet, wohnt hier seit alten Zeiten, gleichsam von der Menschheit ausgestoßen, das römische Judenvolk. Mit ihm sollen sich diese Blätter beschäftigen, welche der Verfasser thetls aus altern und neuern Schriften, theils aus mündlichen Mittheilungen der Hebräer zusammensetzte. Er durchwanderte oftmals den Ghetto Roms, und es dünkte ihm seine Bevölkerung, welche neben dem Theater des Marcellus und an der Halle der Octavia, auf Trümmern römischer Kaisergeschichte dem wilden Epheu gleich sich angeklammert hält, unter Ruinen Roms eine hochmerkwürdige, ja die allein noch lebendige Ruine des Alterthnms und Werth, daß sie eine aufmerksame Betrachtung auf sich ziehe. Vielleicht wird die Mehrzahl der Fremden, welche zu den Denkmälern Roms wallfahrten, am meisten vor dem Triumphbogen des Titus auf dem Forum bewegt; denn sie verstehen seine Bedeutung am deutlichsten, weil die Geschichte der Juden und ihrer Stadt Jerusalem für den Christen etwas Vaterländisches ist und sein Gemüth in Anspruch nimmt. Auf dem Fries jenes Bogens erblickt man noch den Triumpsopferzug, da man den heiligen Strom Jordan in Greisesgestalt auf einer Bahre einherträgt, und im Durchgangsbogen, durch welcher nimmer ein Jude gehen wird, erkennt man die im Siegeszuge des Titus aufgesührten Tempelgeräthe von Jerusalem, den siebenarmigen Leuchter, den goldenen Tisch, die Lade, in welcher das Gesetz verschlossen lag, und die silbernen Trompeten für das Jubeljahr.(?) Beinahe 1800 Jahre sind verflossen, seitdem dieser Bogen dem Kaiser Titus errichtet ward, und nichts blieb von jenem weltbeherrschende» Rom übrig als Trümmer, Staub und nicht mehr dem Leben angehörende Symbole des alten Cultus. Wer nun vom *) Wir glaube» de» Dank unserer Leser zu erwerben, indem wir diese interessante historische Skizze im Auszug mittheilen, und erlauben wir uns nur einige berichtigende Amuerkungen beizufügen. Die Red.