Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Einweihung der von Frau Elise von Herz Lämel gestifteten Anstalt in Jerusalem
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 656 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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656 Einweihung b. v. Frau Elise v. Herz-Lcimel ״'Der Römer gewahrte lächelnd die Bitte und ahnte nicht, daß in ihrer Erfüllung eine ganze, große Zukunft des Judenthums liege, welche das eiserne Rom überdauern und die Sieger einst besiegen sollte. ״Rabbi Jochanan ben Sakai sah, daß es mit dem Staatsleben der Juden zu Ende ging, und er faßte den Gedanken eines gctsttgen Reiches, eines geistigen Jerusalems, welches daö weltliche, nunmehr in Trümmern liegende ewig überdauern sollte. Wir Juden sind die Bürger dieses Reiches, die heilige Lehre ist unser ewig unentziehbares Grundrecht. ״״Laß' mich eine Schule gründen!"". ״Dieser Gedanke ist es auch, der in dem Herzen und Geiste einer edlen und frommen Frau entsprang im fernen Oesterreich, dessen Blick dem Osten zugewendet, die welthistorische Aufgabe hat, die Cultur nach Osten zu tragen. ״Kultur ist die Sonne, die aus Milliarden Strahlen, die ans Geistern und Herzen strömen, zusammensließt und die Welt vor dem wiederkehrenden Chaos rettet und erleuchtet! ״Es ist eine hochherzige Fran, welche die Wittwe Zions trösten kommt, nicht mit einer Strahlengarbe, aber doch mit einem Funken, der liebevoll angcfacht, fromm gehütet, zu einem Stern anschießcn kann. Und er wird nicht verlöschen, wie auch ein finsterer, feindlicher Sturm wehen mag, er wird leuchten und selbst zum Heile Derer leuchten, die daö Licht scheuen und den Glauben im Wahn finden! ״״Laß' mich eine Schule gründen!"" ״Sie ist nunmehr begründet und es ist ein günstiges Zeichen, daß ein mächtiger und frommer Fürst, der unter seinen Titeln auch den eines ״Königs von Jerusalem" führt, die junge Anstalt unter seinen mächtigen Schutz nimmt. ״Es sind 6 Jahrhunderte verflossen, seitdem auf heiligem Boden das roth-weiße Wappeu Leopold des Glorreichen entstanden ist und im schönen Oesterreich weht und glänzt, während" es hier verschwunden war. Es ist ein günstiges Zeichen, daß es seit kaum Einem Jahr in Palästina wieder entrollt, auch heute in diesem Saale flattert als ein kostbarer Schmuck, als eine schützende Aegtde!" Nach der mit allgemeiner Erhebung aufgenommenen Rede sang