Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Einweihung der von Frau Elise von Herz Lämel gestifteten Anstalt in Jerusalem
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 655 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Einweihung b. v. Frau E. v. Herz-Lämel gestist. Anstalt i. Jerusalem. 653 mit ihren Dolmetschern und glänzend bewaffneten Dienern die k. Consuln von Frankreich, England, Spanien, Sardinien u. s. w. Hr. Dr. Frankl führte nach der Begrüßung mit zweien an der Anstalt angestellten Lehrern (Rabbinen) die aufgenommenen Kinder vor. Es meldete und drängte sich eine so große Anzahl heran, daß — da die Mittel und auch der Raum nicht ausreichend schienen — die Schüler in interne und externe eingetheilt werden mußten. Die Elfteren, 20, erhalten Kleidung, Kost und Unterricht, die Letzteren, ebenfalls 20 — somit vierzig Schüler im Ganzen — nehmen am Unterricht Theil. Sie tragen eine geschmackvolle, nniforme, orientalische Kleidung, und wurden bei der Aufnahme zuerst Kinder k. k. österreichischer Unterthanen, dann Vater- und mutterlose Waisen, dann solche, denen der Vater oder die Mutter gestorben ist, berücksichttgt. Nachgewiesene Armuth war bei Allen Bedingung der Aufnahme. Nachdem die Kinder die ebenso glänzende, als bedeutende und ehrwürdige Versammlung begrüßt und in schonen, grünen Bänken Platz geommen hatten, stimmte ein Sängerchor hebräisch den für die Einweihung eines Hauses gedichteten 30. Psalm: ״Ich preise dich, o Gott, daß du mir aufgeholfen und meine Feinde nicht frohlocken ließest über mich." Hr. Dr. Frankl bestieg hierauf den Katheder und hielt folgende fragmentarisch hier mitgetheilte Ansprache: ״Wenn ich vor die hochverehrte Versammlung trete, um sie anzureden, so bin ich in dem glücklichen Falle, daß Bild und Gedanke nahe liegen und mir dargeboten sind: ״Das Bild des Tempels, der Gedanke des Unterrichts! Blicken Sie zu diesen Fenstern hinaus und nur 20 Schritte fern ragt die Westmauer des Tempels empor. Es ist der einzige Ueberrest einer längst dahingegangenen Zeit und einer erloschenen Lichtherrlichkeit. ״Als diese Tempelmauern wankten, der Fall der h. Stadt unvermeidlich war, da ließ ein Mann scheinbar als Leiche sich aus der Stadt hinaus tragen, denn die Zeloten hätten ihn sonst als Verräther erschlagen — um für seine Brüder, für Weiber und Kinder um Gnade zu flehen. Als der Feldherr diese versagte, ihm aber eine persönliche zu erfüllen versprach, bat Rabbi Jochanan ben Sakai: ״Laß' mich in Jabne eine Schule begründen."