Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Denkschrift über die beabsichtigte Einführung europäisch-moderner Institutionen und Reformen unter den Juden in Palästina
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 651 (sequence 6)
- Language
- German
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von Ignaz Deutsch. 651 neue Institutionen gründet; da wäre der Grundsatz statthast, wer über solche Anstalten anders denkt, , der möge sich und seine Kinder von denselben fern halten. — Wie weit entfernt aber ist ein solches Verlangen von der Judengemeinde in Palästina. — Es ist eine offenkundige Thatsache, daß nur solche Juden dorthin gehen, die einen unverbrüchlich frommen Lebenswandel hinter sich haben, die bereits auf alle zeitlichen Lebensgüter verzichtet und keinen andern Wunsch hegen, als ihre Glaubensartikel nach ihrer religiösen Ueberzeugung in der heiligen Stadt zu üben, ihre Angehörigen in dieser Weise zu letten, und dort ihr Leben zu beschließen. — So haben ihre Väter seit Jahrhunderten in Palästina gelebt und so ihre Nachkommen bis auf den heutigen Tag, und so leben und denken die Griechen und Lateiner an den Urquell ihres Glaubens, o .ne von Jemand beunruhigt zu werden. — Tausende pilgern alljährlich nach Palästina, Fürsten, Gelehrte, Reich und Arm, und die freisinnigsten Schriftsteller besuchen dort die Ruinen ihrer Heiligthümer; — hat je einer daran gedacht, neologische Ansichten in der heiligen Stadt zu verbreiten, — oder die Institutionen derselben nach europäischer Weise zu modernisiren? — Sowohl die jüdischen, als die christlichen frommen Gläubigen in Palästina wurden von je her durch freiwillige Spenden ihrer Glaubens-Angehörigen in Europa erhalten. — Die Ansichten und die religiöse Ueberzeugung derselben sind für Niemand ein Geheimniß geblieben und Jeder weiß, daß sie der Richtung und der modernen Weltanschauung des 19. Jahrhunderts nicht huldigen; wer für diesen Lebenswandel keinen Sinn hat, ist nicht gebunden, zur Erhaltung dieser Armen beizutragcn, diejenigen aber, welche solche Unterstützungen als ein Gott gefälliges Werk betrachten, mögen an ihre Spenden keine Bedingungen knüpfen, welche mit den Ansichten derjenigen im entschiedenen Widerspruche stehen, für welche die Gottesgabe eigentlich bestimmt ist. — Mögen nun all' die gewaltsamen Eingriffe und schmerzlichen Verletzungen, wie sie die Judengemeinde zn Jerusalem in den letz-