Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Denkschrift über die beabsichtigte Einführung europäisch-moderner Institutionen und Reformen unter den Juden in Palästina
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 650 (sequence 5)
- Language
- German
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650 Denkschrift 5c. auch die Ausführung derselben wünschen, wenn die Stiftung zum Heile derjenigen erstehen würde, für welche dieselbe beabsichtigt ist. - Keine Regierung in aller Welt wird aber eine Anstalt in ihren Schutz nehmen wollen und die Ausführung derselben wünschen, wenn es erwiesen ist, daß dieselben unvermeidlich zu Spaltungen und fortwährendem Scandal Veranlassung geben must. — Eine Institution, welche unter solchen Ausspicien in's Leben tritt, gegen welche sich gleich beim Beginne derselben die gesetzlich bestehenden Religions- und Gemeinde-Vertreter mit entschiedenenr Widerwillen erklären, muß früher oder später zu Grunde gehen und dies um so gewisser, da es bis jetzt bei allen solchen Experimenten der Fall war, daß diejenigen, welche mit derlei Missionen betraut waren, sich damit begnügen mußten, Häuser oder Wohnungen zu miethen, diesen den Namen der beabsichtigten Stiftung beizulegen und einige blutarine Menschen durch Versprechungen aller Art zu gewinnen, um diese Anstalt in der ersten Zeit zu benützen, kaum aber sind die Gründer und Leiter nach Europa zurückgekehrt, so findet man alle diese Institute leer und verlassen, nnd sie dienen stets zum fortwährenden Zankapfel. — Sir Moses Montesiore und die Barone Rothschild haben seit vielen Jahren große Summen für die Juden in Palästina perwendet, mit Ersterem habe ich persönlich in Wien über diese Angele-- genheit gesprochen, niemals haben diese Herren die Absicht gehabt, die Juden in Palästina wider ihre Ueberzeugung zu stimmen oder irgend eine Aenderung in ihrem religiösen oder patriarchalischen Leben herbeizuführen. — Immer sind es diejenigen, welche mit der Verwendung solcher Gelder betraut werden, die in der Regel ein größeres Verdienst haben wollen, als die Geber selbst, und sich deshalb lTitt philanthropischen Illusionen und Reformen beschäftigen, die wohl geeignet sind, im ersten Augenblick Aufsehn und Bewunderung zu erregen, stets aber zum Aergerniß der Spender und zur Kränkuug und Demüthigung der Empfänger endigen. Ganz verschieden ist es, wenn der größere Theil irgend einer Gemeinde oder mindestens ein ansehnlicher Theil derselben das Bedürfniß in sich fühlt, ihrem Gottesdienst oder ihrem Lehr- und Erztehungswesen eine andere Gestaltung zu geben und zu diesem Ende