Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Denkschrift über die beabsichtigte Einführung europäisch-moderner Institutionen und Reformen unter den Juden in Palästina
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 648 (sequence 3)
- Language
- German
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648 Denkschrift!c. aus nicht verstehen und ich konnte nichts anderes thun, als ihn nachdrücklich zu bitten, daß er seine Bestrebungen in Jerusalem lediglich auf die Verbesserung der materiellen Verhältnisse der dortigen Juden beschränken möge und nichts unternehmen möchte, was die altherkömmlichen Sitten und Gebräuche, und namentlich, was die religiöse Ueberzeugung der Inden in Palästina im geringsten verletze» könnte. — Wie nun alle Berichte aus Jerusalem übereinstimmen, hat I)r. Frankl auf alle diese Vorstellungen keine Rücksicht genommen und beabsichtigt (trotz aller Einsprache der dortigen Rabbiner und Gemetnde-Vcrtreter der österreichischen Unterthanen), für die israelitische Jugend eine Lehrnnd Kinderbewahr-Anstalt zu gründen, mit dieser ein Bethaus zu vereinigen und einen europäisch modernen Gottesdienst etnzusühren. — Die Folgen dieser gewaltsamen Reform-Bestrebungen sind nun auf eine betrübende Weise etngetreten. Die Aufregung und Verzweiflung unter den österreichisch-deutschen Juden ist über alle Maßen. Bereits sind ehrliche, wahrhaft' fromme Gläubige verhaftet worden, und mußten in türkischen Gefängnissen unter den gemeinsten Verbrechern ihre Strafe erleiden, weil sie ihre alten religiösen Einrichtungen durch die neu zu gründenden Institutionen gefährdet glaubend, ihren Schmerz darüber auf eine auffallende Weise kund gegeben und sich in heftigen Aeußerungen gegen denjenigen auögelassen haben, der ihnen diese Kränkung zügefügt hat. — Können aber diese Kundgebungen irgend Jemand in Erstaunen setzen? — Solche und ähnliche Demonstrationen sind natürliche Eonsequenzen, welche ausgedrungene Reformen allerwärts im Gefolge haben und dies um so heftiger, wenn sie von Personen herrühren, die sich über die Beobachtung religiöser Formen und Gebräuche gänzlich hinwegsetzen. — Wenn heute Rouge oder Jemand seiner Gesinnungsgenossen nach Jerusalem käme um dort Institutionen vereint mit Gottesdienst für christliche Gemeinden zu gründen, so würde gewiß jeder fromme Katholik dieselben, ohne erst zu prüfen, ob sie heilsam oder Verderblich sind, von vorn herein verdammen und mit Entrüstung zurückweisen. L. A. Frankl hat eine ganz andere religiöse Ueberzeugung, als die Juden in Palästina, er hat niemals ein Hehl daraus ge-