Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Über die Verhältnisse der Juden in Rußland
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 637 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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der Juden -tu Rußland. 637 ltch circa % Mtll. Gulden. Aber wichtiger noch ist der Schaden für die Sittlichkeit, der hieraus erwächst. Jeder Uebertretungsfall nämlich ist mit einer für die ärmere Klasse besonders bedeutenden Geldstrafe, an deren Stelle bei Zahlungsunfähigkeit Personalarrest tritt, belegt. Weibliche Individuen werden dann unter Vagabunden und ähnliches Gesindel gesteckt und unterliegen den gesundheitspolizetlichcn Maßregeln gleich den andern Gefangenen. Welche Uebelstände und Folgen dies für die Sittlichkeit hat, ist leicht ersichtlich. 7) Abgabe auf das Koscherfleisch. Je bedeutender diese Abgabe ist, welche von jedem Pfund Fleisch, das der Jude in Polen verzehrt, 6 Groschen polnisch verlangt, und jährlich mehrere Milltonen der jüdischen Bevölkerung auferlegt: desto nachteiliger wirkt sie, da dcßhalb der arme Theil der Juden dem Fleischgenusse fast gänzlich entsagen muß. Es ist notorisch, daß es in Polen jüdische Greise gibt, die kaum einige Male in ihrem Leben Fleisch genossen haben So unfreiwillig auf unkräftige Nahrung angewiesen, füllt der arme polnische Jude die Spitäler, sein Zustand ist der jammervollste, sein Gesicht trostlos und abgehärmt, wie nirgends. — Diese Fleischabgabe wurde im Jahre 1812 festgesetzt. Sie trat ein in Folge eines mit ganz unbefugten Personen abgeschlossenen Contraktes, die im Namen der jüdischen Gesammthett diese Abgabe sich aufluden, wogegen ihnen Seitens der Regierung Befreiung vom Militärdienste zugesichert wurde. Zn diesem Contrakte, dessen allgemeine Gültigkeit übrigens sehr problematisch ist, wurde ausdrücklich bestimmt, daß, sobald die Juden militärdienstpflichtig gemacht würden, diese Abgabe aushören müßte. Nunmehr dienen die Juden auch in Polen bereits schon 12 Jahre im Heere, sie haben mit ihrem Blut die Steppen des Kaukasus und die Bollwerke Sebastopols getränkt, Tausende von ihnen sind im Dienste des Vaterlandes dahin, Tausende Krüppel; aber die Ihrigen daheim müssen Fleischsteuer noch heute zahlen, oder darben. 8) Die Art der Aushebung zum Militär. Fast in jedem Staate der Welt dienen gegenwärtig Juden als Soldaten. Daß sie sich als solche in Krieg und Frieden brav führen und zu den besten Soldaten gehören, darüber haben sich schon wiederholt die Berichte der verschiedenen Kriegsministerien ausgesprochen; ich erwähne hier nur die bekannten Lobsprüche des holländischen und preußischen