Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Elul
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 630 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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630 Elul. Dauer gewährt und dieses neue Jahr unS hat erreichen lassen — nicht der Leichtsinn und der Wahn, nicht die Täuschung und der über die Schwelle der neuen Zukunft in mitternächtlichem Jubel hinüber taumelnde Rausch gewährt diese Freude, nur der Elul-Schofar und der Seltchoth - Ernst erzeugt diese Freude, nur im Ernst der Selichoth-Tage werden die Gedanken gewonnen, die das neue Jahr als eine neue, frische Bahn der heitern Seligkeit begrüßen. Laß den Leichtsinn und den Wahn sich im Rausch die welkenden Kränze winden, sich über den Jammer der Wirklichkeit durch Poetische Träume goldener Zeiten im festlichen Augenblicke täuschen, um dann, entnüchtert, um so dürrer von der elenden Wirklichkeit angegähnt zu werden. Laß die Verzweisiung dumpf am Wege sitzen, gletchgiltig den Wechsel der Zeiten an sich vorübergehen sehen, kraftgebrochen, hoffnnngberaubt, ohne Wunsch, ohne Furcht, ohne Streben, ohne Wollen, weil die Vergangenheit ihr alle ihre Ideale und ihre Idole zertrümmert. Laß den Dünkel stolze Pläne seiner Klugheit und Macht zur Bewältigung der Geschicke entwerfen, im Voraus Triumphe durchkosten, die er nimmer erreicht, Stege feiern, die er nimmer erringt, um dann im Laufe des Jahres sich der Verzweiflung an die Seite zur Erde zu setzen, um über die Uebermacht des Geschickes und die Ohnmacht des Menschen Klagelieder zu singen. Du horche des Schofartons des jüdischen Lebensgedankens und gehe in das ״Sammelhaus" der Väter, um eine andere Anschauung des Lebens zu lernen.' Nicht unserer Zukunft, unserer Vergangenheit zu denken werden wir dort geladen, und nicht die Summe des Glücks und des Unglücks, des GewinnsteS und des Verlustes zu berechnen, welche uns die ablausende Jahresrechnung als Saldo bietet, sondern der Gedanke ergreift nns dort mit seinem ganzen Ernst: Was sind wir geworden im Laufe des Jahres, wie haben wir die Ausgäbe gelöst, für welche das Jahr uns geworden, wie haben wir die Pflichten erfüllt, die Mizwoth geübt, die Gott uns geboten. Und wenn dann der Ernst dieser Prüfung uns ganz ergreift, wenn wir vor Gott das Bewußtsein der hohen Bestimmung wieder rein gewinnen, die uns geworden, wenn wir mit dem von Gott in seinem lheiigen Worte gezeichneten Bilde die Wirklichkeit unseres