Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Elul
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 627 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu den Selichoth«T«gen. 627 fügt das Wort der Weisheit erläuternd hinzu — und das "ונושנחם בארץ" das ״Altwerden" im Lande, das schwebte Israels Geistern als das am meisten zu fürchtende Entwickclungsstadium vor der Seele. Sie wußten, wenn es dahin einmal vollständig gekommen sein würde, wenn einmal die Zeit gekommen sein würde, in welcher alle die Israel in ewig frischer Jugend zu tragen bestimmten göttlichen Institutionen und Gestaltungen Israel alt und verlebt erscheinen, in welcher Israel sich und seine Thora als etwas bereits Erschöpftes hinter dem Rücken zu haben vermeinen, und die Freudigkeit und die Kraft verloren haben würde, aus dem uralten Born ewige, frische und rüstige Lebens!!!nnterkeit zu schöpfen — daß dann es mit Israel vorbei sein würde, und sie priesen die Barmherzigkeit Gottes, die durch das zeitig einbrechende Golußgeschick jenem Ende zuvorgekommen ist, und durch die Schläge des Leidens Israel zum frischen Selbstbewußtscin wach gerüttelt hat. Nicht umsonst bezeichnet Israels Sprache ״Altern" und ״Schlafengehen" mit Einem Worte, nicht umsonst trat Israel im Opfer stets als בן שנה, als ״noch im ersten Jahre" zu Gottes Altar, nicht umsonst begann der tägliche Opferdienst damit, den Altar von der Asche des gestiigen Opfers zu räumen (הרומח הדשן), nicht umsonst war das gestrige Opfer heute paßul, verlor das gestrige Opfer heute Kraft und Weihe — jeder Tag brachte neues Leben und stellte die volle, ganze Lebensanforderung aufs neue. Es ist aber nur der Ernst und die Bescheidenheit und nicht der Leichtsinn und der Dünkel, der die ewige Jugendsrische des Geistes und Gemüches verleiht. Der Leichtsinn, der wie der Schmetterltng von Blume zu Blume fliegt und nur den Honig aus allen Blüthen saugt, dem die Erde zu einem großen Gasthaus wird, an dessen Takle d’ltöte er mit Schmarotzer-Ansprüchen tritt, der Leichtsinn, der das Leben nur nach Genüssen schätzt und nur im Genüsse seine Seligkeit findet, dem wird das Leben gar bald keine Genüsse mehr bieten, das ganze Weltall wird ihm schaal, verdrossen schiebt er Gort die durchgekostete Welt zurück und erbittet sich eine neue Welt, da ihm die alte nicht mehr mundet. Er meint, die Welt sei alt geworden und er vergißt, daß er allein in der ewig jungen Welt gealtert, weil er allein es nicht verstanden, mit jedem neuen Tag, mit jedem neuen Jahre jung und frisch und neugeboren zu 80*