Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 12 (September 1856)
- Article
- Elul
- Date
- 1856-09-01
- Page
- 626 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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626 Elul. täuscht sich über seine Schwächen und Jrrthümer nimmer und wenn er des Guten gedenkt, das er geübt, und des Wahren, das er erkaunt, so geschieht dies nur, um in sich die Bürgschaft zu finden, daß er doch Gutes üben, daß er doch bis zur Erkenntntß des Wahreu dnrchdriugen könne, und sich selber mit dem jüdischen Steigergrüß zu ermuntern: "״ ״! חזק ונחהוקNun fest und muthig vorwärts!" Eben deshalb aber lebt auch die Wahrheit der zweiten Hälfte jenes Weisheitssatzes in seinem Bewußtsein, יאק כל חדש חחת השמש er erwartet nichts Neues unter der Sonne. Er schaut nicht nach einem neuen Judenthum aus; hat er denn das Alte schon ganz gelöst? Er erwartet nicht von einem neuen Gottesdienst Stachel und Retz zur ״Andacht" — hat er denn die alten schon ganz auf sich wirken lassen, schon Alles erschöpft in sich ausgenommen, was der alte an Licht für den Geist und Feuer für die Brust und Lust und Kraft für das Leben zu bringen weiß? Sein Jndenthum wird ihm nimmer alt, sein Gottesdienst nimmer obsolet. Wenn er gebetet -hat, fühlt er erst recht, wie er hätte beten sollen, wenn er die Mizwah vollbracht, so sieht er erst recht, wie er sie das nächste Mal erst noch vollendeter erfüllen möchte, und wenn er seine Jahre vollbracht, so ist's ihm erst klar, wie er sie hätte vollbringen mögen. "״ "שמסWiederholung" sind ihm die Jahre seines Lebens, wiederholte und in immer größerer Vollendung zu erstrebende Lösung einer und derselben Aufgabe, das ist der Gedanke, der ihn bewegt, und an diese ״Wiederholung" mit immer neuer jugendlichen Kraft, mit immer frischer, unverbrauchter Freudigkeit zu gehen, das ״Alte immer neu zu beginnen," das ist die Lebensweisheit, die ihm die Jahrhunderte vererbt. ״Laßt euch euer Judenthum nicht alt werden!" Das ist die Mahnung der Väterweisheit an ihre Söhne und Enkel. ״ביום הזה ״ באו מדבר סני"Heute kommen sie in die Wüste Sinai"; ״wenn du die Thora lernst, sei sie dir nicht etwas Altes, sondern als ob sie heute dir vom Sinai geworden." "״ ״אשר אנכי מצוך היוםDie ich dir heute gebiete" spricht Gott von seinen Geboten. שלא יהו בעיניך כדיוטגמא ישנה שאין הכל מפגין אותה אלא כחדשה שהכל רצין לקראתה, ״laß sie dir ein nie altes Dekret werden, mit dessen Inhalt Keiner mehr glaubt sich vertraut machen zu müssen, sondern sie bleiben dir immer ein neues, zu dem Zeder eilt, es kennen zu lernen!"