Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 11 (August 1856)
- Article
- Entdeckung alter Steinbrüche bei Jerusalem
- Date
- 1856-08-01
- Page
- 614 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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614 MtScellen. hernmschlendert. Wir beschlossen daher, den Versuch bei Tag zu machen, vollkommen überzeugt, daß wir, selbst wenn man uns bemerkte, nur barsch weggetricben werden würden. Am nächsten Morgen verließen wir also gleich nach Oeffnnng der Thore die Stadt. Einer der Abthcilnng begab sich in die Hohle, kehrte aber wieder zurück niit dem Bemerken, es werde nothwcndig sein, das Eindringen nicht mit dem Kopfe, sondern mit den Füßen voran zu untcrnehmen, da sich innerhalb der Oeffnnng eine sechs bis sieben Fuß hohe, senkrechte Vertiefung befinde. Er ging mit den Lichtern wieder zurüch; ich folgte. Die Damen hatten beim Einsteigen mit betrachtlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Als wir alle wohlbehalten hineingelangt waren, sahen wir, daß wir uns in einem unermeßlichen Gewölbe befanden und ans der Spitze eines Schutthaufens standen, der sich augenscheinlich durch die Ansammlung kleiner, von der Endzurichtnng der Steinblöcke herrührender Theilchen gebildet hatte. Uebcr diesen Haufen htnuntersteigend traten wir durch einen großen Bogen in ein anderes, gleich umfangreiches Gewölbe, das jedoch von dem erstcren durch gewaltige Pfeiler getrennt war. Dieses Gewölbe, oder dieser Steinbruch führte über einen Stufengang hinab in ein drittes und viertes, jedes von dem andern durch massenhafte Steinabtheilungen getrennt, die man stehen gelassen, um den gewölbten Decken mehr Kraft zu geben. In einigen der Brüche lagen die gebrochenen Steinblöcke iheilweise zugerichtet da, in andern hingen die Blöcke noch au dem Felsen; in einigen hatten die Arbeitsleute gerade zu meißeln angefangen, und in andern zeigte sich die Linie des Architekten deutlich aus der glatten Seite der Wand des Steinbruchs. Die Art und Weise, wie die Blöcke abgelvst wurden, glich dem bei den alten Egyptern üblich gewesenen Verfahren, wie wir es in den Sandsteinbrüchen zu Hagar Tilsilis und in den Granitbrüchcn zu Syene kennen lernen können. Der Architekt zeichnete zuerst den Umriß der Blöcke auf der Vorderseite des Steinbruchs; die Arbeiter meißelten sie dann in ihrer ganzen Dicke aus, trennten sie gänzlich von einander und ließen sie mit dem festen Gestein nur durch ihre Kruste in Verbindung. Dann wurden sie durch Aus- Hauung eines Durchgangs hinter ihnen völlig abgelöst, die Blöcke selbst aber blieben roh zugerichtet liegen, und die Felswand gestat-