Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 11 (August 1856)
- Article
- Aus Hannover
- Date
- 1856-08-01
- Page
- 611 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Hannover. 611 sich die volle Blüthe deS jüdischen Gemeindelebcns am Reichsten entfalten. Die Wirksamkeit einer Gemeinde ist ja überhaupt eine mehr nach innen gerichtete und die Hauptaufgabe einer jüdischen Gemetnde ist ja am Allerwenigsten eine politische Vertretung nach Außen. Die Kenntntß des Gesetzes zu pflegen, Förderung des jüdischen Lebens, Begründung und Erhaltung der jüdischreligivsen Institutionen — das ist ja die eigentliche Aufgabe eines jüdischen Gemeindewesens. Was hat die Erfüllung dieser Aufgabe gemein mit dem Poletischen Drucke oder der politischen Freiheit der Juden? Auch nicht im Geringsten wird die Verpflichtung zur Losung dieser Aufgabe schwächer, wenn statt des politischen Elendes, politische Freiheit in die Gemeinde Israels cinzicht, und wenn selbst sogar der Jude endlich als völlig gleichberechtigter Bürger in die Reihen seiner deutschen Brüder träte, so harreten dennoch die einer jüdischen Gemeinde gegebenen hohen Aufgaben ihrer Erfüllung. Das hat auch in richtiger Erkenntniß ein Thetl derjenigen unserer Gcmeindegliedcr, denen das Judenthum überhaupt noch Werth hat, begriffen, und es ist in jüngster Zeit in manchem Kreise unserer Gemeinde dieses Bewußtsein so lebendig geworden, daß man mit frischem Muthc und Interesse die Gemeindeangelegenheiten zu bksprechen und zu ordnen sich angeschickt hat. Wir halten daher eS nicht für ganz überflüssig unser Gemeindeleben und das Leben in unserer Gemeinde einer offener Besprechung zu unterziehen. Ist es ja vor Allem wichtig, klar und richtig die Verhältnisse zu erfassen, an die man thätige Hand legen will und eil» klares, richtiges Urtheil nirgends so erforderlich als zu der Gestaltung unserer heiligsten, allgemeinen Angelegenheiten. Wir werden ruhig und unbefangen unsere Verhältnisse zu schildern versuchen, frei von allen persönlichen Beziehungen nur die Sache, die uns ja die heiligste ist, in's Auge fassen und getreulich das Resultat darlcgen, das sich bet ruhiger Erwägung nach unsrcm Dafürhalten heransstellt. Unsere Gemeinde, welche gleich der Stadt Hannover tagtäglich im Zunehmen begriffen ist, bietet in ihrer Stellung nach Außen ein recht erfreuliches Bild. Unter den ersten, geachtetstcn Handelsfirmen der Residenzstadt figuriren jüdische Namen, unter den an der Spitze großer, gemeinnütziger industrieller Unternehmungen stehenden Män-