Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 11 (August 1856)
- Article
- Aus Hannover
- Date
- 1856-08-01
- Page
- 610 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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610 Correspvndenz. Darum kennt der Jude nächst dem reinen, innigen jüdischen Familienleben nichts Heiligeres als das reine, innige jüdische Gemeindeleben. In den trüben Zetten deö Mittelalters war es lediglich dieses Familien- und Gemeinde!eben, das uns erhalten. Wie die zarten, reinen Bande der Familie es waren, welche die einzelnen Glieder des Hauses verbanden und sie stark machten den ganzen Druck düsterer, wahnerfüllter Jahrhunderte zu ertragen, so waren es anderseits die nicht minder festen Bande des Gcmeindelebens, welche die einzelnen Häuser und Familien auf's Innigste mit einander verknüpften. Und in unermüdlicher, rastloser Thättgkeit wetteiferten die einzelnen Glieder die Aufgaben der Gemeinde zu verwirklichen und mit der größten Selbstverleugnung und Aufopferung waren die Vertreter und Leiter der Gemeinde bedacht, in den sich oft so schwierig und trübe gestaltenden Verhältnissen immer den richtigen, klaren Blick zu gewinnen, die Verhältnisse klar und gründlich zu begreifen. Und wenn jetzt trotz der in so manchen Kreisen unseres deutschen Vaterlandes sich Kund gebenden trüben ״Zeichen der Zeit" dennnoch der Jude freier dasteht als je auf deutschem Boden, und die Fesseln, die ihn in seine Gassen und zugleich nolsus volsus in den Kreis seines eigenen GemeindeverbandeS einängtcn, gelöst sind, sollte», dürften, könnten nun auch die Bande der Gemeinde gelöst sein; thäte es weniger Noth die Angelegenheiten der Gemeinde mit gleichem Ernste und gleichem Eifer wie ehemals zu behandeln; hätten wir weniger Ursache zusammenzuhalten, die Aufgaben und Zwecke eines jüdiswcn GemeindeverbandeS zu lösen und zu fördern; dürfte da jetzt Gleichgiltigkeit au der Stelle des Eifers, des Ernstes in unseren Gemcindeangelegenheiten Platz greifen?? Wir glauben, Jeder, dem es noch Ernst mit dem von unfern Vätern ererbten Heiligthume. ist weist, mit uns diese Fragen entschieden zurück. Wir glauben vielmehr, wenn je, so ist es heute an der Zeit mit dem entschiedensten Ernste daS Band der Gemeinde fest um unser doch noch immer auch in politischer Hinsicht gesondert von den Mitbürgern stehendes Volk zu schlingen, und mit dem aufopferndesten Eifer die Zwecke und Aufgaben einer jüdischen Gemeinde zu fördern. Denn gerade in der freier und leichter gewordenen Zeit kann