Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 11 (August 1856)
- Article
- Aus Hannover
- Date
- 1856-08-01
- Page
- 612 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rashi 1× ep/1002670
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612 Cortespondenz. nern finden fich stets Juden und die Juden nehmen hier, wie meist überall einen höchst ehrenvollen Platz im socialen Leben ein. Wir können an dieser Stelle allerdings den Wunsch nicht unterdrücken, daß wir uns noch mehr, als das bis jetzt der Fall, dem wirklich cominerztellen Stande, der Wissenschaft oder der Industrie widmen, und manche durch den Druck und die Beschränkung uns aufgcdrungenen Erwerbsquellen gänzlich aufgeben möchten. Was nun das eigentliche Moment einer jüdischen Gemeinde, das jüdische Leben betrifft, so ist es in der That erfreulich am Sabbath z. B. die hiesigen jüdischen Bureaux und Magazine zu mustern; mit sehr geringer Ausnahme sind sie sämmtltch geschloffen und auch die Haushaltungen sind zum größten Theil noch jüdisch. Unser Gottesdienst, an welchen man die Censurscheere noch nicht gelegt hat, ist am Sabbath und an Festtagen recht zahlreich besucht; zur Pflege der Gesetzlehre existiren hier eine Reltgionsschule, eine jüdische Realschule (von einer ziemlich reich dotirten Stiftung), ein Lehrerseminar, einige fromme Stiftungen, wovon verschiedene ״Gelehrte" zum Behufe des ״Lernens" angestellt werden; vergangenen Winter wurden sogar öffentliche Vorlesungen über jüdische Literatur und Cultur und Vorträge über Raschi gehalten. Auch fehlt es unserer Gemeinde an Vereinen zur Ausübung der letzten Ltebespflicht an die Dahingeschiedenen eben so wenig wie jeder anderen ״frommen"׳ jüdischen Gemeinde. Dem oberflächlichen Blicke stellt daher' unsere Gemeinde auch in speziell jüdischer Hinsicht ein recht erfreuliches Bild einer ״frommen" jüdischen Kehilla dar. Dennoch dürfte jedem nur etwas tiefer Blickenden bei Betrachtung unseres jüdischen Privat- und öffentlichen Lebens die berechtigtsten Befürchtungen und die begründetsten Zweifel für die Erhaltung des jüdischen Lebens in unserem Kreise entstehen. Wir sind uns vollkommen bewußt der ganzen schweren Verautwortung, die wir durch diese Behauptung auf uns nehmen. Wir werden jedoch im Folgenden diese unsere innerste Ueberzeugung näher zu begründen suchen.