Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 11 (August 1856)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1856-08-01
- Page
- 596 (sequence 3)
- Language
- German
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596 IV. Moses Ptnto Delgado. jungen Delgado geworfen. Dieser verließ, sobald er von der Einladung des hohen Tribunals Kunde erhalten hatte, schleunig das unduldsame, nach Glaubenseinheit stets strebende, aber nie Einigkeit erzielende Spanien und begab sich, unbegreiflicher Weise, nach Rom; aber der hohe Clerus — Paul IV, welcher mit Menschen und Büchern gleich grausam verfuhr, saß damals auf dem päpstlichen Stuhl — ließ ihn auch hier nicht ruhen, und so treffen wir ihn nach et-- ntgen Jahren in Frankreich, wo die Lage seiner Glaubensgenoffen auch keine benetdenswerthe war. Weder von dem Bildungsgänge Delgado's, noch von seinem späteren quäl- und martervollen Leben ist irgend eine Notiz aus uns gekommen. Von Natur mit ausgezeichneten Anlagen begabt — er konnte, so erzählt Barbora, die einzige Quelle, welche seiner in wentgen Zeilen erwähnt (bibliotheca lusitana II, 729), eine gehörte Rede aus dem Gcdächtniß wörtlich niederschretben — studierte er aller Wahrscheinlichkeit nach in Salamanca, und ward dort der vertraute Freund des-״Bruders mit der jüdischen Seele", des ihm an Alter gleichen Luis de Leon, welchen eine für seinen Freund angeferttgte Uebertragung des salomonischen hohen Liedes, trotz seiner würdevollen Stellung als Professor der heiligen Literatur, 1573 vor die Inquisition in Valladolid brachte, deren Folter er durch den Einstnß seiner Freunde und auf vieles Bitten seiner zahlreichen Schüler erst am letzten Tage des Jahres 1576 wieder entzogen wurde und dann seine jahrelang unterbrochenen Vorlesungen mit den, vielen unserer Leser bekannten, Worten eröffnetc: ״Wie wir am Schluffe unserer letzten Vorlesung bemerkten", als ob die fünf bitteru Leidensjahre für ihn nicht da gewesen wären. Der Mann mit der jüdischen Seele blieb auch Freund Delgado's, als dieser im Elend schmachtete, wie überhaupt sein Ursprung, trotz seiner durch das Amt bedungenen Frömmigkeit, in allen seinen Gedichten und Produktivnen sich Bahn bricht und sich ebenso wenig verkennen läßt, als der Einstuß, welchen die jüdische Erziehung und, wenn wir so sagen dürfen, der j jüdische Geist aus manchen Lehrer des Kirchen- und Staatsrechts unseres Jahrhunderts übte. Ohne Zweifel würden die 1813 im Archiv zu Valladolid aufgefundenen, bis jetzt ungcdruckten, im Kerker verfaßten Schriften Luis de Leon’s, uns seine jüdischen Gesinnungen noch! deutlicher zu erkennen geben. Doch kehren wir zu Delgado zurück.