Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 11 (August 1856)
- Article
- Die jüdische Heiterkeit
- Date
- 1856-08-01
- Page
- 590 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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590 Die jüdische Heiterkeit. dämmt seine Religion. Aber dieselbe Religion, die seine Freuden alle aus das Maß des Reinen, Sittlichen, Menschenwürdigen zurückführt, dieselbe Religion lehrt auch den positiven Werth jeder rctnen, sittlichen Freude. Der abgestorbene, sich abhärmende, in Gram verzehrende Mensch ist nicht sein Ideal. Sein Ideal ist der heitere, fröhlich in Gott wirkende und auch fröhlich in Gott genießende Mensch. ״Rechenschaft", lehren ihn seine Rabbinen, ״Rechenschaft" wird einst der Mensch für jeden reinen, unschuldigen Genuß zu geben haben, den er aus Erden hätte genießen können und sich aus Unverstand versagt. Denn wie seine Religion ihm als Grundgedanken seines Denkens den Einen Gedanken ״Gott" hingiebt, so giebt sie ihm als Grundgedanken seines Lebens ״Gerechtigkeit", nnd zwar jene Gerechtigkeit, die eben, weil sie Gerechtigkeit ist, ebenso wohl bejahet, als verneint, deren Forderung eben nichts anderes ist, als jeder Beziehung gerecht zu werden, die darum keine Gottgegebene Anlage, keinen Trieb, keinen Reiz an sich verdammt, sondern Me auf das Maß des Rechten und Gottgefälligen zurückführt, in diesem Maße aber eben sowohl weihet und heiligt und fördert, und welcher daher die Vernichtung, Verkennung, Vernachlässigung, Ertödtung irgend einer, auch der leiblich sinnlichen Menschcnanlagen, ebenso sündhaftes Verbrechen ist, als der Misbrauch, die Bergendüng, die sinnliche Ausschweifung mit einer von Gott verliehenen und Gott heilig bleiben sollenden leiblich sinnlichen Kraft. ״Nicht zur Oede, zum heiteren Wohnplatz froher Menschen hat Gott die Erde geschaffen", und seine Herrlichkeit' ist nirgends so nahe, als da, wo Menschen im beglückten irdischen Kreise ihr reines, gottgefälliges Leben vollenden. So trägt dem Juden jeder irdische Moment die reine Blüthe heiteren Frohsinns, nnd er kennt nur eine Quelle der Bitterkeit, einen Feind seiner heiteren Freude — es ist dies das Bewußtsein der Sünde, der Schuld, der verfehlten, verscherzten Lebensreinheit. Aber siehe auch hier, nnd eben hier wiederum die unvergleichliche Herrlichkett und nimmer zu trübende Beseligung der jüdischen Gotteslehre. Auch dem Sünder, dem ergrauten Sünder ist die Heiterkeit des Lebens nicht auf immer verloren! Das Jndenthum weiß nicht nur vom Tode, das Judenthum weiß von der Sünde zu erlösen! Es braucht'S der Sünder, der ergrauteste Sünder nur zu wollen,