Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 11 (August 1856)
- Article
- Die jüdische Heiterkeit
- Date
- 1856-08-01
- Page
- 589 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Heiterkeit. 589 glückendste Schatz des Juden. ״Beglücken wollte Gott Israel, darum gab er ihm so viele Lehren und Gebote!" Die Religion des Judenthums ist keine Feiertagsreligton, Werk- und Feiertage, alle Momente des Lebens' zieht sie in ihren Kreis, und das Judenthum, die religiöseste Religion auf Erden, kennt eben den Namen ״Religion" nicht, hat gar keinen Begriff für diesen Begriff, weil ihm Alles, ansnahmlos Alles Religion ist, und die Nähe,in mit der Nadel, und der Ackersmann mit dem Pfluge, und die Mutter an der Wiege, und die Köchin an dem Herde, und der Mann in dem Gewerbe, der Richter auf dem Stuhle, der Arzt am Krankenbette, der Lehrer am Pulte, der Priester am Altäre, — Alle im gleich heiligen Gottesdienste wirken und allen Ständen, allen Geschlechtern, allen Lebcnsstufen, der ganzen Gemeine der Zuruf des Judenthumes gilt: ״Seid heilig!" Und weil dem Juden Alles Religion ist, der schmerzlichste Wechsel ihm nur eine neue religiöse Pflicht bringen kann, er nur מחיל אל חיל von einem religiösen Momente zum andern schreitet, haben selbst die Bekümmernisse des Lebens für ihn den Stachel verloren. Ihn quält nur eine Sorge, die.Furcht, nicht in jeder Lage seine Pflicht zu erkennen. Hat er aber die erkannt, dann ist er heiter und froh und übet freudigen Muthes, was sein Gott von ihm fordert. Daß seine Kraft so kurz, daß seine Einsicht so beschränkt, daß sein Feld so begrenzt, das schlägt seine Freudigkeit nicht nieder, wo er steht, da hat ihn sein Gott hingestellt, das beschränkte Kräftenmaß hat sein Gott ihm zugemessen. In seinem Dienste stehet er, seinen Händen hat er seine Arbeit zu liefern; hat er das Seine gethan, hat er treu sein Tagewerk vollbracht, so ist er zufrieden und heiter. Die Vollendung — steht ja ohnehin in Gotteshand. Und weil dem Juden Alles Religion ist — und eben darum Religion Alles! — darum entfernen ihn, auch die freudigen Momente seines Lebens nicht von Gott, ja die Freude, die reine, jüdische Freude ist ihm die höchste Gottes-Nähe, und darum ist die jüdische Freude die ungetrübteste. Zn seinem Himmel wohnen keine heidnischen Götter, die den glücklichen Sterblichen beneiden, und sein Gott ist kein Gott, der die Freude des Menschen verdamme. Er fürchtet von Gott nichts für seine Freude und er schämt sich seiner Freude nicht vor Gott. Das Uebermaß und die Unsittltchkeit ver-