Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 11 (August 1856)
- Article
- Die jüdische Heiterkeit
- Date
- 1856-08-01
- Page
- 588 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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688 Die jüdische Heiterkeit. welches Gott, der mit seiner Herrlichkeit Welten erfüllende Gott, nicht herniederschaue und das Reine und Gute und von ihm Gebilligte nicht mit seinem segnenden Wohlgefallen begleite. Gerade diese Genuß- und Arbeitverbote knüpfen das innigste Band zwischen dem Menschen und seinem Gotte und lassen im ganzen so kleinen und doch so großen Menschenleben keinen Raum und keine Zeit, die nicht die beseligende, heiter beglückende Gottesnähe erfüllte. Die Beracha, die der ärmste Jude über sein reines Mahl zu sprechen vermag, würzt ihm sein kärgliches Brod mit einer Süßigkeit, die die reichste Tafel sonst vermisset. Aber noch ein höheres bringt das Judenthum. Die Nichtverbotenen sinnlichen Genüsse und Arbettsthäthigkeiten sind nicht nur zugelassen, gestattet, gebilligt, Mizwah wird selbst Genuß und Arbeit, heilige, von aller Selbstsucht entkleidete, gottdienende Thättgkeit wird selbst Genuß und Arbeit, der Jude darf nicht nur genießen und arbeiten, Psttcht ist ihm Beides, sein Gottesdienst ist nicht auf die Räume seiner Tempel, auf die Stunden seiner Andacht beschränkt, sein ganzes Leben, auch mit seinen sinnlichsten Seiten, auch mit seinen kleinlichsten Thätigkeiten, sein ganzes Leben ist Gottesdienst, auch seine Werkstatt, sein Wanderstab, sein Familientisch, sein Hausgeräth sind Werkzeuge seiner Bestimmung. ״Jeder Topf in Jerusalem und Juda", fordert der Prophet von der Vollendung des Judenthums, ״jeder Topf in Jerusalem und Juda sei dem Herrn Zebaoth geheiligt!" Und ״wenn er sitzet zu Hause und wenn er wandelt auf dem Wege, und wenn er sich niederlegt und wenn er aufstehet", ״mit jeder Regung seines Herzens, mit jedem Funken seiner Lebenskraft, mit jedem Splitter seiner Habe" dient der Jude — Gott! Das ist's, was das jüdische Leben so selig heiter macht, “שומר מצוה לא ידע רבר רע. Wer sein ganzes Leben als Mizwah begreift, als Mizwah erfüllt, der kennt gar nichts Trübes, Schaales, Schlechtes, Gemeines. Das Wort Gottes ist ihm das Holz vom Wunderbäum, das ihm die bittersten Quellen versüßt, das Wort Gottes ist ihm der Wunderstab, der dem härtesten Kiesel Lebenswasser entlockt, das Wort Gottes ist das heilige Oel, das das Gemeinste, Alltaglichste weihet und heiligt, und gerade das ״Gesetz", das der Unerleuchtete ״eine Last, ein Joch, Bürde und Hemmschuh" schilt, eben jenes Gesetz und gerade mit seinen ״Kleinlichkeiten" ist der de-