Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 11 (August 1856)
- Article
- Die jüdische Heiterkeit
- Date
- 1856-08-01
- Page
- 585 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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585 Die jüdische Heiterkeit. עושיהכש, nur Dem, der mit all seinem praktischen Denken und Thun tm Judenthum wurzelt, das bewährt sich noch bis auf den heutigen Tag. Ascetik, trübe, selbstquälerische Peinigung, eine dumpfe Ghettilehre, welcher unschuldiges Lächeln hier auf Erden schon Sünde, und Genuß und irdische Freude Verbrechen ist, so erscheint das Judenthum den Söhnen der Zeit, deren Auffassung bereits die Propheten- Worte schildern: ״Es ist ihnen das Wort Gottes nichts als Gebot auf Gebot, Gebot auf Gebot, Schranke aufSchranke, Schranke auf Schranke, Mikrologien hier, Mikrologien dort, nur um tm Gehen rückwärts zu straucheln, gebrochen, gehindert und gefangen zu werden!" ״Denn Ironie und fremdzüngig spräche zu diesem Volke, wer ihnen predigte: ״Hier ist ja gerad' Ruhe, gönnt sie dem Müden, hier ja der Seligkeitshafen!" sie würden nicht anhören!" Und doch hätte auch nur ein Blick in eine jüdische Bibel, ein Blick auf das Ganze der jüdischen geschichtlichen Erscheinung stutzig machen müssen! Wie? Eine Lehre, die ihren Jüngern für ihre Treue irdische Paradiese verspricht, die Segnungen des Regens und Thaues, Blüthe der Aecker und Wiesen, Gedeihen der Heerden und Früchte, Kindersegen, Gesundheit, Wohlstand und Frieden verheißt, eine Lehre, die so sehr von diesseitiger Seligkeit spricht, daß sie sich vielmehr auch den andern, — ebenso ungerechten Vorwurf vorwiegenden Materialismus', hat gefallen lassen müssen, eine Lehre, die vorzugsweise ״Gesetz", Regelung des wirklichen Lebens ist und überall ein thätiges, schaffendes, arbeitendes und genießendes Leben voraussetzt, eine solche Lehre könnte durch ihre Bestimmungen dem heiteren Lebensgenuß gram sein, die frische, frohe, schaffende Thättgkeit untergraben und ein sreudefliehendcs, trauerndwelkes Leben zurückgezogener Beschaulichkeit erzeugen wollen? Und sehet, diese Lehre und das Leben in ihr hat dem Juden eine solche Federkraft des Geistes und Gemüthes verliehen, daß er unter Jahrtausendlangen Schtcksalsschlägen aufrecht geblieben, daß er unter der höchsten Ungunst der Zeiten Proben einer Unverwüstlichkett der Lebenskraft und Geistesfrische gegeben, wie kein anderer ss