Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1856)
- Article
- Geschichte der Juden [Rezension]
- Date
- 1856-07-01
- Page
- 545 (sequence 17)
- Language
- German
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Rabban Gamaliel'S Bannstrenge. 545 Form einer Anklage. DaS Lehrhaus war gerade voll von Zuhörern, unter denen ein lärmender Tumult über diese schimpfliche Behandlung gegen ein ehrwürdiges, beim Volk beliebtes Mitglied entstand. Die Gcgenparthet faßte Muth und sprach ihren Unwillen unumwunden aus. Man rief dem Patriarchen die Worte zu: ״Wer hat nicht stets deine Härte empfuuden!" Das Lehrhaus verwandelte sich schnell in ein Tribunal und das Kollegium entsetzte R. G. auf der Stelle der Patriarchenwürde". — Dieses nach Berachoth 27 b erzählte Ereigntß ist nun in der That das einzige Faktum, in welchem die Urkunden irgend eine Spur von Unzufriedenheit der Zeitgenossen mit einer Maßregel des R. G. enthalten. Alles, was sonst der Vers, von einer solchen Unzufriedenheit erzählt, ist nichts als Erdichtung. Weder vom R. Elteser, noch vom R. Josua, noch von den sonstigen Zeitgenossen im Allgemeinen enthalten die talmudischen Quellen auch nur eine leise Andeutung einer solchen Unzufriedenheit. Von R. Elieser weiß ja der Vers, auch nur das oben schon seiner wahren Bedeutung nach gewürdigte Eretgniß mit dem Achnai-Ofen, und dort tritt ja nicht einmal R. G. in den Vordergrund, sondern es ist eben dieser R. Josua der entschiedene und mit seiner Energie entscheidende Hauptgegner des R. Elieser. Sonst wissen wir in der That nichts weiter, als daß R. Elieser und R. Josua und so auch R. Akiba, R. Jochanan b. Nuri und sonstige Zeitgenossen in der Diskussion des Gesetzes oft von R. Gamaliel ebenso wie von einander in der Ansicht abweichen, wie das eben auch auf jedem Blatt der talmudischen Urkunden ebenso von fast allen übrigen Meistern der Gesetzeslehre aller Jahrhunderte berichtet wird. Und wäre es auch in der That eine ebenso gewissenlose, als wissenschaftlich ungerechtfertigte Perfidic sonder gleichen, solche rein aus der Sache fließende Gegensätze in den Lehr - Ansichten aus einer supponirten Parthcistellung und Persönlichen Ab- oder Zuneigung erklären, tmb etwa sagen zu wollen, R. Elieser habe z. B. den Achnai-Ofen für rein erklärt, weil ihn die Majorität des Gamaliel'schen Collegiums für unrein erklärt hatte und R. Elteser überhaupt mit R. G.'s Maßregeln unzufrieden war. Schwerlich möchte selbst der Vers, eine solche Ansicht unterschreiben, und doch läuft seine Darstellung zuletzt auf nichts Anderes hinaus. Denn nur von solchen Gegensätzen in der Lehre berichten die talmudischen Quellen Von sonstiger Unzufriedenheit weiß nur der Verf. zu berichten. 34