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Jeschurun · 1856-07-01 · Heft 10 (Juli 1856) · p. 525

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 10 (Juli 1856)
Article
Thamus
Date
1856-07-01
Page
525 (sequence 13)
Language
German
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Zum Fasttag der Einnahme Jerusalems. 525 getst, dem geopfert, cs war der Zeitgeist, dem das Judenthum mit seinem göttlichen Gesetze sich beugen sollte, es war der Zeitgeist״ der Alles entschuldigte, Alles sankttouirte, Alles heiligte. Was wurde nicht Alles im Namen des Zeitgeistes gefordert und bewilligt, geübt und geduldet! Es war das Stichwort, das alle weitere Erörterung übersiüssig machte, das der dümmste Junge seinem greisen bekamwerten Vater ins Angesicht schleudern konnte, in dessen Huldigung die verbildete Dame sich groß that, das alle Rücksichtslosigkeit rechtfertigte und alle Mängel ersetzte. Der Zeitgeist, der die Tempel erbaute und die Kanzeln bestieg und die Orgeln einführte, das war auch der Zeitgeist, der das jüdische Gesetz in Wissenschaft und Leben ächtete. Der jüdische ״Geistliche" brauchte nur dem Zeitgciste zu huldigen, um sich mit der Unwissenheit in dem Schriftthum und der alten jüdischen Gesetzesweisheit stolz brüsten zu können. Die jüdische Schule brauchte nur unter dem Patronat des Zeitgeistes zu stehen, um die Unkenntntß der jüdischen Gesetzeslehre für die jüdische Jugend obligat zu machen. Und im Leben, in der Familie, in der Ehe? Im Namen des Zeitgeistes zündete sich der Jüngling die Cigarre am Sabbath, im Namen des Zeitgeistes ging er zur Table d’höte, im Namen des Zeitgeistes öffnete der Mann das Geschäftsbüreau am Sabbath, im Namen des Zeitgeistes riß die Frau' die sitttge Hülle vom Haupte, im Namen des Zeitgeistes wich die Keuschheit und Reinheit aus dem jüdischen Eheleben, im Namen des Zeitgeistes die Reinheit und Wethe vom jüdischen Tische. Mit dem Wort ״Zeitgeist" im Munde verlachte der Sohn ״die Zucht des Vaters und die Lehre der Mutter", blieb er taub für die Seufzer des Vaters und fühllos gegen den Gram der Mutter. Als wäre der Zeitgeist der allheilige Gott und seine Jünger die gottbegeisterten Leviten und die dem göttlichen Gesetze Treuen das um das goldene Kalb tanzende Volk — sprachen sie zu Vater und Mutter: ich sehe dich nicht, und zu den Brüdern: wir kennen euch nicht, lehrte man sie, daß sie, die leichtsinnigsten Höhner des göttlichen Wortes, die eigentlichen Wahrer seiner Zeugnisse wären, und ihre Bunbesbrüchigkeit die eigentlichen Erhaltung seines Bundes sei — und dieser Wahn zerriß die heiligsten Bande des Bluts und der Verwandschaft, zertrümmerte Israels Kapitol: die Familie, scheuchte den Frieden aus den Häusern und die Eintracht aus den Gemeinden

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