Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1856)
- Article
- Thamus
- Date
- 1856-07-01
- Page
- 524 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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524 Thamus. mal stand, da war er im Lichte religiösen Heils — wenn er nur die neuen Tempel mit baute, die neuen Tempel mit besuchte — ein paar andächtige Tempelminuten an Sabbath und Festtagen, alle Woche, alle Quartal, alle Jahr einmal dem Geschäfte oder den Zerstreuungen des Lebens abgedungen, und man war mit dem irreligiösesten Leben der religiöseste Mensch von der Welt in den Angen der Welt, deren Gaptatio benevolentia3 es ja im Grunde einzig und allein galt. War man aber einmal so wett, so blieb man naturgemäß dabei nicht stehen. Was man zuerst nach außen errichtet hatte, damit machte man nun mit einemmale auch nach innen Front. Der nach außen blendende Schein sollte nun auch das nach innen leuchtende Licht werden, die nach Außen schützende Larve sollte auch nach innen als das Antlitz׳ der Wahrheit verehrt werden, die Letzten traten mit einemmale als die Ersten in Israel auf, die Abgefallenen als Führer, die Gesetzverhöhnung sollte als Gesetzlichkeit sanktiouirt, der Leichtsinn als Fortschritt begrüßt und an das Judenthum allen Ernstes das Ansinnen gestellt werden, den Abfall von sich selber als höchstes Stadium seiner welthistorischen Aufgabe anzuerkennen. Was man bis jetzt mit pochendem Herzen und störendem Gewtssenöskrupel geübt, erhielt mit einemmale die religiöse Wethe eines gottgefälligcn Strebens, — man sprach vom קידוש השם, das man in dem der nichtjüdischen Welt für das nichtjüdische Streben durch Orgelklang und Chorgesang abgelockten Bcifallslächeln errungen, und stachelte sich zu einem blinden, verfolgungssüchtigen Fanatismus empor, der zur Verhöhnung und Verketzerung des gesetzcstreuen Lebens seine Propaganda machenden Priester und Jünger aussandte. Und diese Propaganda suchte nach einem ״Worte", das sie auf ihre Fahnen schreiben, in dessen Namen sie den Abfall vom jüdischen Gesetz predigen und das sie ihren Jüngern als das Erkennungs- und Vereinigungszeichen, als die Parole und den Schlachtenruf mit htnausgeben könnte, vor dessen Zaubermacht die alten Riegel und Schlösser der jüdischen Gesetzgebung weichen und mit dessen Zaubergewalt die neue Abfallsreltgion bis in die innersten Räume des Familienlebens und in die Pflanzstätten des kommenden Geschlechtes getragen werden sollte. Und dieses Wort war: ״der Zeitgeist!" Es war der Zeitgeist, dem gehuldigt, es war der Zeit-