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Jeschurun · 1856-07-01 · Heft 10 (Juli 1856) · p. 520

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 10 (Juli 1856)
Article
Thamus
Date
1856-07-01
Page
520 (sequence 8)
Language
German
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520 Thävmr. zu verhindern, daß das öffentliche Wort und die Wissenschaft — oft nichts Wetter, als die wissenschaftliche Form des Ausdrucks — misbraucht werden, um mit unendlichster Leichtfertigkeit, mit der wissenlosesten Ungründlichkeit und mit gewissenlosester Unwahrhaftigkcit die Wahrheit unserer Vergangenheit und Gegenwart zu entstellen, die Reinheit von Tobten und Lebenden zu besudeln und auf dem Boden einer geflissentlich genährten Unkenntniß der Zeitgenossen die Diktate der Willkühr und der Verläumdung zu zeichnen — das Alles wird höchstens mit einem ohnmächtigen Seufzer hingenommen, und selbst Diejenigen, die solche Erscheinungen aufs tiefste beklagen, zucken wortlos und thatlos die Achseln und sprechen: Was vermag man wider die Zeit! Wunderbare Allmacht des Worts! Segen und Fluch träges aus seinem Fttttg und ist der allgewaltigste Zauberer im Kreise der Menschen. Nicht der Schöpfer eines neuen Gedankens, der Erfinder eines neuen Wortes beherrscht die Welt! Ohnmächtig bleiben die Gedanken, die guten und bösen, die wahren und falschen, so lange fie noch nach.einem Ausdrucke ringen, so lange ihnen die Bezeichnung allgemeiner Präge fehlt, die sie von Munde zu Munde, auch zu dem Gedankenlosesten trage. So lange Gedanken nur denkend angeeignet werden können, so lange müssen sie bis zur Klarheit durchgedrungen sein, um nur überhaupt im Bewußtsein zu haften, und so lange werden sie nur in dem engen Kreise wirklich denkender Geister sich bewegen und wenig Einfluß auf die Massen üben. Gebt aber einem bestimmten Kreise von Gedanken und Vorstellungen ein bestimmt markirtes Wort, so habt ihr dem Gedanken Fittige angesetzt; bis in den Kreis der Unmündigen trägt sich's hin, und je weniger sie denken, je unklarer ihre Vorstellungen, um so freudiger Haschen sie nach dem neuen Schall, um so willkommener begrüßen sie das neue Wort, um so froher sind sie des neu gewonnenen Schatzes, und indem sie mit dem neuen Worte schon einen neuen Gedanken, eine neue Wahrheit zu haben vermeinen, füllen sie den leeren Raum des angewehten Schalles mit so viel und solchem Inhalte aus, als ihnen aus jenem ihren dunkeln Kreis von Gedanken und Vorstellungen am Zusagendsten und Behaglichsten entgegendäm- ' wert. Allgewaltig sind solche in die Massen geschleuderte, neugeprägte Schallmünzen — Stichwörter nennt sie die Welt — und haben schon

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