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Jeschurun · 1856-07-01 · Heft 10 (Juli 1856) · p. 515

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 10 (Juli 1856)
Article
Thamus
Date
1856-07-01
Page
515 (sequence 3)
Language
German
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Zum Fasttag der Einnahme Jerusalems. 515 unsere jüdische Aufgabe zu losen, uns und die Unsrtgen zu Gott und seinem heiligen Worte empor zu retten, dafür ist immer die Zeit da. Je größer der Verfall, je vereinsamter das Gute, je verlassener die Gottessache, je ungünstiger die äußern Bedingungen des Heils, um so näher ist das Heil zu kommen, um so mehr steht der Messias vor der Thür, wenn nur die, die seiner harren, die ihn herbei wünschen, das Ihrige thun, nicht dumpf der Verzweiflung sich überlassen, nicht niedergeschlagen der Unthätigkeit sich hingeben, sich durch die Ungunst der Zeiten nicht irre machen lassen und wissen und danach handeln, daß jeder Tag, jede Stunde die rechte Zeit sei zum Heile, אם בקולו תשמעו — היום, heute — wenn wir nur Ihm gehorchen möchten! Ja, je weniger wir den mißstimmenden Eindrücken einen Einfluß auf unsere Entschlüsse und Handlungen gestatten, je weniger wir uns nach dem umschauen, was die ״Zeit" und die Genossen der Zeit dazu sagen, je mehr wir uns ganz nur in das Bewußtsein und die Erkenntniß unserer Pflicht und unserer Aufgabe versenken und, unbekümmert um die Zeichen der Zeit, das Unsrtge thun, munter, frisch, muthig, das Unsrige thun, um so mehr wird es gelingen, selbst die Zeit zu überwinden und die'Ungunst der Zeiten zu besiegen. Ist nur das Werk, das wir treiben, Gottes Sache, treiben wir nur Gottes Sache, treiben wir sie nur — לשם,שמים — um Gottes Willen, ist es nur in Seinen Augen das Rechte, so wissen wir ja, daß הליכות עולם לו, daß die Gauge der Zeiten Sein seien, und Er für das rechte Werk auch jeden Tag und jede Stunde zur rechten Zeit umznwandeln wisse. ״Und wäre schon der Feind vor den Thoren, so ist es noch nicht nothwendig, daß die Stadt eingenommen werde, und wäre die Stadt eingenommen, so ist noch nicht nothwendig, daß der Tempel eingeäschert werde, und wäre der Tempel etngeäschert, so ist es noch nicht nothwendig, daß das Galuth mit all seiner zerstörenden Wucht über uns hercinbreche, wenn wir nur noch in der letzten Stunde uns besinnen und umkehren und unsere Pflicht thun!" Das ist die Mahnung, die wir aus den einzelnen Stadien unseres Untergangs zu schöpfen vermögen, deren Gedächtniß ׳wir fastend begehen. Ueberhaupt gewähren uns diese letzten Momente unseres tragischen politischen Falles einen Einblick in Verkehrtheiten menschlicher Ansichten

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