Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1856)
- Article
- Federzeichnungen
- Date
- 1856-06-01
- Page
- 495 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Federzeichnungen. 495 und auf die unsere Gemcinde mit Stolz htnweist als die, die trotz ihrer hohen Stellung'in der Gesellschaft, sich nicht genircn ״fromm" zu sein — die will ich Ihnen zeigen, und in die Häuser, die sich noch rühmen jüdisch zu sein — will ich Sie führen. Wollen Sie eine Probe haben? Kommen Sie mit mit mir am Freitag Abende m die Häuser derer, die Sie in der Synagoge sehen, — in ihren H äuscrn finden Sie sie nicht. — Ihre Kinder, die jüngere», die treffen Sie am Freilag Abende unter Aufsicht der Dienstboten. Die Herrschaft ist ausgegangen, damit kommen ihnen diese entgegen; und: Papa und Mama sind im Theater, Conccrt oder Club, sagen Ihnen jene. Genügt Ihnen diese Probe? — Ich kann mit mehreren! dienen. Sehen Sie jenen Mann in der Synagoge, mit welcher Andacht er betet? Es ist einer unserer angesehnsten Bürger. Sie können ihn des Nachmittags an Wochentagen aus dem Comptoir in die Synagoge eilen sehen, so gut wie Sic ihn heute am Freitag Abend treffe». Sehen Sie jenen ältlichen Mann. Es ist einer der Gelehrtesten, Frommsten und Geachtetsten in unserer Gemeinde. Sie treffen ihn zu Hause in der Regel vor dem Folianten. Aber so wie Sie diese Beiden hier in der Synagoge finden, so wie sie jenen sehen können, wie er sein Geschüft im Stiche läßt an Wochentagen, um zlw Synagoge zu eilen und wieSie diesenstetö ״beimLernen" finden, so treffen Sie Beide, wenn Sie ihnen am Freitag Abend im Theater, Cvncert oder Club mit ihren Frauen und erwachsenen Kindern begegnet sind, unfehlbar am Samstag Nachniittag in einem unserer öffentlichen Gärten oder Pavillons und sehen sie — Gott bewahre nicht selbst den aufwartenden MarqncurS zahlen — sehen sie — wegsehen, während ihre Frauen oder Kinder — versteht sich ohne ihr Wissen, — wie sie behaupten, den Säcklermeister machen. Da haben sie das Grab des Judenthnms, da die Lctchenträger. Der jüdische Geist ist gewichen, das jüdische Gemüth ist nicht mehr da. Der Sabbathgeist ist ans dem Herzen unserer Gemeinde entflohen , das warme, innig herzliche Gefühl des jüdischen FamiliensinneS ist verloren gegangen. Die Engel des Friedens, die Engel der Ruhe, sie steigen jeden Sabbath nieder in die Hütten und Häuser unserer Gemeinde nnd wollen einkehren in sie Herzen und Gemüther unserer Alten und Jungen — aber sie finden sie nicht zu Hause und traurig entfernen sie sich, denn wo sie keine