Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1856-06-01 · Heft 9 (Juni 1856) · p. 494

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1855-1856)
Issue
Heft 9 (Juni 1856)
Article
Federzeichnungen
Date
1856-06-01
Page
494 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2932821-2932831-2939846--01624-2939915
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

494 Federzeichnungen. ter, oder besuchen Sie das Cvnzert?" Meiner Antwort kam die kleine Tochter, die in Hut und Mantel eintrat, zuvor. ״Papa, die Mutter und der Onkel und die Großmutter sind fertig und warten auf dich." Wo gehen Sie heute Abend hin? wurde der Wirth, der sich zum Gehen anschickte, gefragt. Heute will ich ein Mal in den Club gehen, sagte er und empfahl sich. Auch die Gaste eilten ihr Mahl zu beendigen, und verließen ebenfalls bald zum größten Thetl das Zimmer, nachdem sie nach reiflicher, wohlerwogener Ueberlcgung hinsichtlich ihres Abends einen festen Entschluß gefaßt hatten. Zurückblicben nur noch einige Fremde und ein anderer, ältlicher Stammgast; — ich behielt »»beachtet von den Uebrigen den Platz in der Sophaecke ein. — Der Eine hatte noch ein Sabbathlied angestimmt und forderte die Andern zum Beten auf. Ich bin recht gerne hier, begann nach dem Gebete einer der Fremden. Wenn ich in der Nähe bin, richte cs immer so ein, daß ich den Sabbath hier verbringe. Es ist doch noch immer eine fromme Gemeinde. Die Synagoge ist recht besucht, der Gottesdienst noch unreformirt, der größte Theil der Läden geschlossen und man kann doch hier in den Restaurationen noch ruhig einen Teller Suppe genießen. Ich stand auf und wünschte den Herren einen guten Schabboß, um zu Hanse den weinigen zu empfange». Wohl hat er recht, sagte ich mir unter Wegs, die Leute sage», daß sie ״eine fromme Kehillah" bilden. Und freilich ist die Synagoge am Sabbath immer voll, freilich der Gottesdicnst noch״uureformirt"; freilich sind die meistenGeschäfte noch gesetzlosscn am Sabbath, freilich die Restanrationen und Haushaltungen der Art, daß man ruhtg hier ״einen Teller Suppe genießen kann." Und dennoch geht das Judenthum hier zu Grabe, und dennoch ist der jüdische Geist aus Gemeinde und Haus gewichen und dennoch ist unsere ״Kchillah" eine jüdische mit Nichten. Wollen Sie sehen, wo das Grab des jüdischen Lebens ist in unserer Gemeinde, wollen Sie die Lcichenträger des Judenthnms in unserer Gemeinde kennen lernen? Nicht die Jugend, die das Zudenthnm schon gänzlich abgestreift hat, will ich Ihnen zeigen, nicht in die Sitzungen des Vorstandes und nicht in die Soiröcn unserer Großen, die schon abgelegt haben ״die drückende Last der jüdischen Institutionen", will ich Sie führen. Die Männer, die noch die Synagogen früh und spät besuchcn, die Männer, die sich noch rühmen ״fromme" Juden zu sein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.