Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1856)
- Article
- Federzeichnungen
- Date
- 1856-06-01
- Page
- 493 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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FederzetckMngcn. 493 Ich dachte an all bie Sabbathe und Freitagabende, die unsere Großväter, eingeengt in dieMaucrn ihrer Gasse, gegrüßt hatten, die ihnen die Lastvon der Schulter nahmen, die ihnen die Banden von ihren Füßen und Händen losten, die sie frei machten von allen Fesseln ,in die der Wahn und Unverstand sie gefangen zu halten vermeinte, und die sie heiter und selig und zufrieden und glücklich zu machen wußten, trotz allen Jammers und Elends, trotz aller Bedrückung und Schmach. — Ich sah das Sabbathlicht etukehren in die Hütte meines Vaters. Wie vor seinem Scheine floh jede Betrübntß, wie der Duft des Sabbathrauchwerks scheuchte jeden Kummer ans dem Herzen des Vaters, glättete die sorgegefaltetc Stirn der Mutter — wie der Sabbath einführte die Engel des Friedens, die Engel deö Frohsinns in die Hütte der Eltern, wie sie vergessen machten die Sorgen, die die Hütte des Juden nur zu sehr kannte. -—- Und mit welchem Gefühle der Seligkeit empfing ich den Segen der Eltern, und mit welchem Gefühle der wonniglichen Behaglichkeit saß ich da neben Vater und Mutter bei dampfendem Sabbathmahlc — Und wie nach dem Mahle wir jene alten Sabbathlieder sangen — —: dieser Tag ist Israels Lust, dieser Tag ist Israels Freude — wer Sabbath heiligt wie es ihm geziemt, wer Sabbath feiert wie's Gesetz gebeut, reicher Lohn wartet sein — und — Ruh und Wonne, Licht den Juden ist der Sabbath, Tag der Heiterkeit und Freude — und — wie schon sind die Hallen, wo sie, die liebliche Sabbathbrant etnztcht — und jenen ernst heiteren Sang in Golußsprache: Allmächtiger, Allgewaltiger aller Zeiten, Du allein bist Herr und König --- Ich hatte vergessen alle Bildung unseres Jahrzehnts, hatte nicht geachtet der Carossen und Menschenmenge, die zu Theatern und Conzerts, zu Reunions und Soireen eilten, hatte, zurückversetzt an des Vaters Tisch, begonnen anzustimmen, die herzigen, süßen Weisen zu diesen Liedern — als zu meinem Ohr Töne eben dieser Melodien herüberschallten. Ich horchte auf. Wirklich diese alten Sangswciscn — aus einer jüdischen Restauration mir vi3-u-vis. — Ich trat ein. — An der langen Tafel saßen die Stammgäste deö Hauses, größtcntbeils Jünger Merkurs und akademische Bürger der hiesigen Hochschule. Unter den wenigen Fremden war der Sänger. Ich setzte mich in eine Sophaecke neben den Wirth. ״Wo gehen Sie heute Abend hin?" fragte mich dieser, ״in den Club, odertn's Thea-