Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1855-1856)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1856)
- Article
- Jüdische dramatische Dichter in Spanien
- Date
- 1856-06-01
- Page
- 490 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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490 ׳ HI. A Santob de Carrion. Hast Vergnügen gefunden an Lug und Trug, Dein Amt hast gewissenhaft du verwaltet — Deinen Bauch genährt, deine Gesundheit gepflegt! — Ei wie gefällt mir deine ganze Gesellschaft! Denn ganz besonders richtet Santob seine bitteren Pfeile gegen die in jener Zeit so verfallene Geistlichkeit, obzwar er auch der andern Stände keineswegs schont und jedem bis zu den Ackers- und Handelsleuten herab die Wahrheit sagt. Haben nun auch, wie allgemein bekannt, die in dem 14. Jahrhundert Theater und Schauspiel vertretenden mimischen Kirchenauszüge die erste Idee zu dem Todteutanze gegeben, so möchten wir doch bescheidene Zweifel hegen, ob dieses, Kirche und Geistlichkeit auch nicht im Entferntesten lobende Drama, — wie aus den wenigen Mitgetheilten Stellen zur Genüge hervorgeht — einem solchen Zwecke gedient habe. Rabbi Santvb's Todtcutanz hat, wie gesagt, eine wichtige historisch-politische Bedeutung, ganz abgesehen von manchen interessanten philosophisch-moralischen Punkten und wichtigen litcrarischen Notizen. Die Bedeutung desselben liegt abgesehen von dem behandelten Gegenstände, auch in der wundervollen Sprache, mit welcher der Rabbi einzig und unübertroffen da steht, und sie allein sichert ihm, dem Juden, einen hervorragenden Platz unter den spanischen Theaterdichtern, wenn auch Hr. Adolph Friedrich von Schack bei Erwähnung dieses Todtentanzes (Geschichte der dramatischen Literatur und Kunst, I 123) den Namen des Dichters aus zweifelhaften Gründen mit Stillschweigen übergeht —; nicht so die von ihm auf derselben Seite citirte spanische Quelle, welche Santob häufig nennt — doch Hr. Schack trug Bedenken, einen jüdischen Rabbi für den Dichter eines so vortrefflichen Drama's anzunehmen. In demselben Geiste, mit derselben Fülle glänzender Bilder, in derselben Unbefangenheit, gleiche religiöse Zwecke verfolgend und in derselben Form schrieb Rabbi Santob das ״Traumgesicht". Der Dichter führt uns in die armselige Hütte eines sterbenden Einsiedlers. Allein und verlassen liegt der Alte auf seiner Holzbank und fühlt die Nähe des Todes, zu dessen Empfang er sich in einer langen, halb verständlichen Rede vorbereitet. Er verscheidet. Der todte, von Würmern umgebene Körper senkt sich zur Erde, ein bleu-